Burgund 2012 – in der Weinhandlung Kreis, Stuttgart


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Gestern Abend präsentierte die Weinhandlung Kreis in Stuttgart den Jahrgang 2012 im Burgund. Darunter befanden sich einige sehr spannende Entdeckungen, die ich ungern vorenthalten möchte. Viel wurde bereits über 2012 geredet. Das Echo fiel überwiegend positiv aus, auch wenn die Winzer nur sehr kleine Mengen lesen konnten. Insgesamt scheint die Qualitätsmesslatte tatsächlich sehr hoch zu liegen. Die Mengen in 2012 sind drastisch klein, die Preise umso höher. Doch die Qualitäten gleichen die Aufschläge der Winzer gegenüber 2011 noch aus, auch wenn allmählich die Preisschraube im Burgund immer  weiter nach oben gedreht wird.

2012 glänzt im Schnitt mir hochfeinen Burgundern, die im Rotweinbereich wunderbar konzentriert und vielschichtig ausfallen, eine frische und klare Frucht besitzen und gutes Tannin fürs Reifepölsterchen haben. Im Weißweinbereich schließt sich das Niveau nahtlos an. Die Weine haben Präzision, im 1er Cru Bereich den nötigen Druck und Substanz. Insgesamt denke ich, dass der Jahrgang ähnlich wie die 2005er nicht nur zum Langstreckenläufer geraten könnte, sondern vor allem auch Burgunder bietet, die etwas Zeit benötigen. Dabei besitzt 2012 eine ähnliche Eleganz und Frische wie der Jahrgang 2008, fällt jedoch vielschichtiger aus. Unterm Strich kann man also -von dem was ich bisher probieren konnte- sehr zufrieden mit dem Jahrgang sein. Den Rest wird dann die Zeit zeigen.

An der Côte de Beaune haben mir wie fast jedes Jahr die Meursaults von Pierre Morey gefallen, die hier wunderbar stoffig ausfallen. Sowohl der Village, als auch der Einzellagenwein „Les Tessons“ haben Substanz, eine zartes und gelungenes Toasting und eine frische Säure. Aus Chassagne-Montrachet sagt mir Bruno Colins 1er Cru „En Remilly“ sehr zu. Ein sehr zarter Chassagne, mit merkbarem aber gutem Holzeinsatz. Als Langstreckenläufer präsentiert sich die Paradelage „La Truffière“ mit mehr Kraft und bester Harmonie. Jetzt ist der Wein aber noch sehr verschlossen.

Mein persönlicher Favorit kommt von der hierzulande weniger bekannten Domaine Jean Noël Gagnard. Der 1er Cru „Les Chenevottes“ hat jenen Charme, den man sich von einem Chassagne-Montrachet erwartet. Mit dem Bourgogne Hautes Côtes de Beaune „Sous Eguison“ kann man bei Gagnard einen fairer Chardonnay erwerben, der in den nächsten Jahren einfach Trinkfreude mit Anspruch liefert. Ein gelungener Wein unter 25€.

Im Rotweinbereich überragt meiner Meinung nach die Domaine Bruno Clavelier aus Vosne-Romanée mit einem konsequent hochwertigen Sortiment die Vertreter der Côte de Nuits. Bereits der Bourgogne rouge aus 2012 trumpft mit Anspruch, Komplexität und Potential auf, dass man sich hier schwer tut, nicht gleich mehrere Flaschen zu kaufen. Neben der klaren Frucht, besitzt der Bourgogne für diese Level ein fast fleischiges Tannin. Die beiden Weine des Abends kamen ebenfalls von Bruno Clavelier. Der Chambolle-Musigny 1er Cru „Les Noirots“ und der Nuits-St-Georges 1er Cru „Aux Cras“ sind auf höchstem Niveau. Beide sind klare Vertreter der Appellation, grenzen sich stilistisch voneinander ab. Beide haben ein aktuell fast duftiges Bukett gemeinsam. Der Chambolle besitzt die feinste Pinotfrucht, der Nuits-St-Georges kommt etwas dunkler daher mit feinsten Rumtopffrüchten und einer zarten Salbeiwürze. Am Gaumen sind beide Weine hochelegante Vertreter mit samtigem Tannin und ausgesprochen delikatem Aroma.

Sehr reduktiv fallen die roten Burgunder der Domaine Arlaud aus. Während ihr Bukett aktuell bei der raschen Verkostung nur wenig verrät, lassen die Weine am Gaumen bereits vermuten, dass sie in einigen Jahren auf hohem Niveau dastehen werden. Besonders gefallen hat mir Arlauds Morey-Sant-Denis 1er Cru „Les Ruchots“, der mit einer rauchig-herben Note zu überzeugen weiß. Einen ganz eigenständigen Pinot Noir für kleines Geld, bekommt man bei Goisot aus Saint-Bris. Der Bourgogne Côtes d’Auxerre Pinot Noir aus 2012 fällt sehr rotfruchtig aus, hat eine feine Säure, die an Preiselbeeren erinnert und zusätzlich eine leicht animalische Note. Wie einer der Verkoster anmerkt, erinnert der Wein ein wenig an Beaujolais. Für unter 12€ erhält man hier einen recht zugänglichen Pinot Noir, der Markanz besitzt.

~ von budisfoodblog - September 23, 2014.

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