Georg Breuer: Riesling Nonnenberg 2003


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Fangen wir am besten so an: Dieser Wein ist nicht groß.

Oder ist er es vielleicht doch?

Der 2003er war Bernhard Breuers letzter Jahrgang, denn er verstarb vor gut über zehn Jahren im Mai. 2003 war im Schnitt kein großer Wurf für trockene Rieslinge in Deutschlannd. Der Rekordhitzejahrgang brachte Weine mit niedriger Säure ins Glas, hohe Oechslewerte und meist reichlich Alkohol. Das ist so die eine Seite des Jahrgangs. Die andere zeigt, dass auch aus anspruchsvollen und durchwachsenen Jahrgängen großartige Weine erzeugt werden können. Solche Weine, die auch heute noch imponieren.

Breuers 2003er Riesling aus der Monopollage Nonnenthal beweist das beispielsweise.

Nach über elf Jahren strahlt er eine Lebendigkeit aus, wie man sie so kaum erwarten würde. Zu viert haben wir den Wein getrunken und darunter waren auch Stimmen, die den blind servierten Wein zuerst als 2011er Riesling eingestuft haben.

Der Nonnenberg strahlt vollgold im Glas und ist klar. Ein wenig Schlieren kleiden das Glas beim Schwenken aus. Die Nase war anfangs sehr verschlossen, offenbarte wenig Aromatik, lediglich eine kühle Andeutung von mineralischem Riesling. Mit etwas Luft, kam die kühle, für mich typische Rheingauer Rauchigkeit heraus. Darüber hinaus beherrscht die Nase der Duft von Apfelschalen. Mehr ist da nicht.

Im Gaumen findet man keine Botrytis vor, sondern einen präzisen und glasklaren, trockenen Riesling. Der Nonnenberg erscheint dicht, druckvoll und majestätisch, ein wenig wie der Morstein aus Rheinhessen. Die Aromen sind eng miteinander verwoben, lassen sich nicht eindeutig definieren. Der Riesling ist kraftvoll und blutjung zugleich. Keinerlei Tertiäraromatik, kein Anzeichen von Müdigkeit im Glas. Natürlich fällt die Säure etwas niedriger aus als man sie für einen Riesling erwarten würde. Dadurch wirkt der Wein im entferntesten burgundsich. Denn er lebt mehr von der Struktur als durch die Säure. Deshalb fehlt ihm auch ein wenig der Druck im Mittelmund, der bis zum Abgang hinaus anklingt. Mit Zeit und Luft, kann man die verschmolzene Frucht aufdröseln. Neben der bestimmenden Mineralik, entdecke ich hier etwas Nekatine und Pomelo, die eine leichte Bitternote abgibt. Dieser Riesling ist noch derartig jugendlich, es ist fast unfassbar. Legt man für diesen Wein das Idealmaß für einen trockenen und gereiften Riesling an, so muss der Nonnenberg im Jahr 2003 der Kategorie Referenzwein weichen. Bedenkt man aber die Umstände des Jahres , vergleicht man diesen Wein mit anderen Weinen des Jahrgangs und bedenkt man, dass dieser Wein zehn Jahre in der Flasche verbrachte -die man ihm blind niemals anmerkt – so handelt es sich hier ganz klar um große Winzerkunst. Ein Referenzwein für den Jahrgang 2003.

getrunken im September 2014, aus dem Spiegelau Authentis Rieslingglas

 

~ von budisfoodblog - Oktober 5, 2014.

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