Hirschorner Hof – Spätburgunder Kalkmergel 2009


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Der Hirschorner Hof sagt nicht jedem sofort etwas. Durchaus bekannter dürfte aber das Gesicht hinter dem Weingut sein: Frank John. John war Kellermeister bei Reichsrath von Buhl und ist mittlerweile als Weinberater unterwegs und damit quasi so etwas, wie ein „flying winemaker“. Mit seinem Mikroweingut in der Pfalz, fährt er eine ganz eigenständige Linie. Neben dem Spätburgunder gibt es lediglich zwei weitere Weine. Einen Riesling und einen Rieslingsekt.

Kürzlich hatte ich diesen Spätburgunder aus 2009, den ich vor gut zwei Jahren gekauft habe. Ich habe ihn zu einer Blindverkostung mitgenommen und ehrlich gesagt, gab es gespaltene Meinungen zum Wein. Ich fand ihn sehr gut und vor allem eigenständig, obwohl ich sonst eher Spätburgunder mit kühlem Kern und knackiger Frucht bevorzuge. Meiner Meinung nach, ist dies ein typischer Vertreter des Spätburgunders aus Deutschland. Er möchte keinesfalls Burgund sein, imitiert keinen anderen Stil, sondern bleibt der Handschrift der Pfalz und des Jahrgangs treu.

Beim Einschenken fällt zunächst auf, dass der Wein leicht trüb ist. Er wurde nämlich beim Abfüllen nicht filtriert. Das Rot ist relativ hell, geht in ein Ziegelrot. Der Rand ist nicht durchsichtig, sondern lediglich etwas hellfarben. Bereits die Nase spricht deutsch: Eine klare Himbeerfrucht, etwas Amarenakirsche, Zimt und eine rauchige Komponente. Insgesamt wirkt der Wein im Stil eher wärmer.

Im Gaumen bestätigt der Kalkmergel Spätburgunder dann was die Nase bereits angedeutet hat. Er ist sehr erdig, besitzt eine herbe Komponente und daneben rote Früchte wie Kirschen und Erdbeeren. Er ist für einen Spätburgunder nicht enorm komplex, hat aber Spannung. Für die Leichtigkeit und Eleganz sorgt das quasi völlig abgeschmolzene Tannin, welches am ehesten verrät, dass es sich um keinen Burgunder aus Frankreich handelt. Für einen 2009er wirkt er relativ reif. Insgesamt ist der Wein vom Charakter ob der Reife und Noten wie Zimt, etwas Vanille und der hellen Frucht von einem süßlicheren Charakter. Dabei ist er natürlich trocken. Er ist eher filigran und man muss sich schon eine ganze Weile mit ihm auseinandersetzen, bis er sich einem erschließt. Das spannende am Wein – und jetzt sind wir da angelangt wo die meisten Spätburgunder dieser Art aus Deutschland dann versagen – ist aber, dass er trotz des etwas hitzigeren Charakters, der wohl auch vom Jahrgang 2009 herrührt, insgesamt keinesfalls ermüdend daherkommt. Er besitzt durchaus Spannung und eine filigran-tänzerische Anmutung, die ihn dann doch von vielen Spätburgundern unterscheidet, die ins reifere abdriften.

 

getrunken im Oktober, aus dem Spiegelau Authentis Burgunderglas

~ von budisfoodblog - November 8, 2014.

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