Claus Preisinger – Edelgraben und GV maischevergoren


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Heute möchte ich zwei Weine vorstellen, die es in sich haben. Sie stammen von Claus Preisinger, vom Neusiedlersee (Gols). Das 18 Hektar umfassende Weingut ist bekannt für Weine, die eine unverkennbare Handschrift besitzen. Preisinger arbeitet seit 2006 biodynamisch und produziert überwiegend Rotwein. Die Weine sind markant. Und zwar von der Basis ausgehend, bis zur Spitze und auch bei den experimentelleren Weinen. Doch sind sie nicht auf Biegen und Brechen eigenständig. Sie sind einfach sehr gut! Ihre größte Ausdruckskraft der Andersartigkeit erfährt man wohl in den beiden maischevergorenen Weinen ‚Edelgraben‘ und ‚GV‘. Was biodynamische Bewirtschaftung oder Orangewine ausmacht, hat kürzlich Christoph Raffelt ideal zusammengefasst. Ich kann nur jedem, der sich einen raschen Überblick verschaffen will nahelegen, seinen neusten Artikel auf Weinplaces zu lesen.

Für gewöhnlich erwähne ich Ausbaumethoden nur dann, wenn sie zum Verständnis der Sensorik beitragen. Beide Weine wurden extrem vinifiziert, folglich lohnt es sich hier in die Tiefe zu gehen. Beide Weine verändern sich auch permant im Glas, sind unglaublich vielschichtig. Sie gehören zu jener Sorte Wein, die in Blindproben sicherlich gnadenlos versagen, bei weiterer Auseinandersetzung aber brillieren. Hier ist der Weg das Ziel. Deshalb möchte ich Euch die Weine gerne in aller sensorischen Ausführlichkeit nahelegen. Die Faszination kann man aber nur im Selbstexperiment nachvollziehen.

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Edelgraben 2012

Claus Preisingers „ErDELuftGRAsundreBEN“ ist ein reinsortiger Weissburgunder. Das Traubenmaterial stammt aus der kalkig-schiefrigen Lage Edelgraben von bis zu 25 jährigen Reben. Der Wein wurde in der Amphore vergoren. Dabei wurde nur ein Teil der Trauben entrappt. Die Maischestandzeit betrug 2 bis 8 Wochen. Anschließend verbrachte der Wein 1 Jahr im Holzfass. Er wurde weder geschwefelt, noch filtriert gefüllt.

All das prägt den Wein natürlich enorm. Bereits vor dem Öffnen ziehen sich Schlieren durch die trübe Flasche, etwas Hefedepot rieselt langsam durch den Wein. Der Anblick erinnert ein wenig an eine Schneekugel und dürfte so manchen Trinker überhaupt vom Kauf abschrecken. Claus Preisinger nimmt es mit Humor und schreibt „Shake it!“ aufs Rücketikett.

So fließt der Wein dann auch mattgold und trüb ins Glas. Ein wenig erinnert er mit der hellorangenen Farbausprägung  an ein Hefeweizen. Das Depot landet auch ins Glas. Bevor man die Nase näher zum Weinglas führt, strömen einem aber bereits unzählige Aromen entgegen. Durch die Maischevergärung zeigt der Wein einen ganz anderen Charakter, als man ihn – sofern man keine Orangeweine kennt – bei einem Weißwein erwarten würde. Mich fasziniert die glasklar ausgeprägte Sauerkirschnote, die mit zunehmendem Luftkontakt mehr in Richtung Amarenakirsche geht. Hinzu kommt eine stark laktische Note, sodass man hier meinen könnte, einen Kirschjoghurt vor sich zu haben. Ein wenige Nagellack verflüchtigt sich mit der Zeit glücklicherweise. Dann rieche ich Mandeln, die weitergesponnen in Richtung Marzipan abdriften. Das Bukett ist opulent. Mit steigender Temperatur kommt noch weißer und frisch geschrotener Pfeffer hinzu. Am zweiten Tag treten die fruchtigen Aromen wie Mandarinenfilets und Pfirsichhaut deutlicher hervor. Der Wein ist ausgesprochen erfrischend im Charakter!

Allgemein lohnt es sich bei dem Wein mit der Temperatur zu spielen. Er besitzt 14 Vol. %, die ihn ein wenig bezüglich ganz hoher Temperaturen limitieren. Tendenziell macht er aber zwischen 12 und 14 Grad Celsius am meisten Freude. Am Gaumen wirkt der Wein sehr stoffig, er besitzt ja auch ob des Schalenkontakts immense Gerbstoffe. Der Edelgraben ist mehr vom cremigen Charakter geprägt, was der Rebsorte bestens steht. An Aromen habe ich hier ein Potpourri von Grapefruit, Joghurt, Pfeffer, grünen Oliven und einen etwas an Sherry erinnernden oxiativen Charakter. All diese Aromen werden von einer apfelmostigen Charakteristik getragen. Die Säure ist sensorisch viel niedriger als beim GV einzuordnen, dadurch kommt der burgundische Charakter des Weissburgunder fein zur Geltung. Am Gaumen überrascht mich dann, wie wenig der höhere Alkoholgehalt stört. Der Wein besitzt einen fast schon beängstigenden Trinkfluss und ich muss mich ganz schön zügeln, genügend Wein für den nächsten Tag aufzubewahren. Glücklicherweise kann ich mich überwinden. Denn am zweiten Tag in der Karaffe überzeugt der Wein noch mehr. Er ist jetzt noch stoffiger und ingesamt etwas runder und ausgewogener im Charakter. Die Aromatik ist verwobener, alles erscheint wie aus einem Guss. Ich finde diese Parallelen zur Musik bei Weinbeschreibungen eigentlich meistens albern. Aber hiermit lässt sich der Charakter des Weins wohl am besten ausdrücken: Ein wenig erinnert er mich nämlich an „Quiet“ von den Smashing Pumpkins. Eigentlich müsste es sich um einen Meditationswein handeln. Aber ihn als Rocker zu bezeichnen fällt mir auch nicht schwer.

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GV 2013

Noch eine Spur ambitionierter fällt der GV aus 2013 aus. Er ist auch zugeknöpfter in seiner Art. Der reinsortige Grüne Veltliner entspringt ebenfalls der Lage Edelgraben. Die Rebstöcke sind hier älter, bis zu 45 Jahre. Die Böden sind  von selbiger Beschaffenheit wie beim Edelgraben, also eine Mischung aus Schiefer und Kalk. Die Vinifikation unterscheidet sich dann wiederum. Die Trauben haben ebenfalls komplett, sprich mit den Rappen ihre Maischestandzeit gehabt. Jedoch mit 14 Tagen eine deutlich kürzere. Der Wein wurde im 600 Liter Fass ausgebaut und wie sein Vorgänger ohne Schönung und Filtration auf die Flasche gebracht.

Er fällt farblich trüb aus, etwas gelblicher als der Edelgraben und nicht so kräftig orange. Ein wenig erinnert das an Apfelmost. Zuerst irritiert die Nase, denn ein Duft von gekochten Eiern springt hier entgegen, der schon fast einen Böckser vermuten lässt. Aber wie bei derartigen Weinen üblich, verändert sich die Nase innerhalb weniger Minuten und reichlich Luftkontakt im Dekanter. Dann rieche ich weißen Pfeffer, der den Grünen Veltliner andeutet. Aber auch reife Quitten, Mango, Salzlake und etwas Löwenzahn. Auch eine typische Schieferwürze bilde ich mir ein.

Am Gaumen attackiert einen die für die Rebsorte unglaublich impulsive Säure. Zunächst muss ich mich daran gewöhnen, mit dem zweiten Glas entdecke ich dann allmählich, dass gerade sie den Wein anziehend und verspielt macht. Die Aromatik pendelt zwischen dunkleren Aromen wie Pu-Erh-Tee, weiße Johannisbeere, Limettensaft und gekochtem Spinat. Der GV ist schlanker als der Heideboden. Die Frucht ist an beiden Tagen sehr im Hintergrund. Der Wein überzeugt mehr durch die mineralisch-rauchige Art. Mir sagt der Heideboden deutlich mehr zu, weil er diese stoffig-ausgewogene Art des Weissburgunders sehr gut rüberbringt. Der GV benötigt noch mehr Auseinandersetzung. Beides sind Weine, die man nicht jeden Tag trinken kann aber unbedingt mal getrunken haben muss!

~ von budisfoodblog - November 16, 2014.

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