Comte Liger-Belair: Vosne-Romanée La Colombière 2011


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Ich muss schon zugeben, ein alltägliches Unterfangen ist es nicht gerade, eine der raren Flaschen derartiger Burgunder in der Jugend zu öffnen. Aber manchmal hilft es für das Verständnis, auch solche Weine in der Jugend zu trinken. Und damit meine ich „trinken“ nicht im Sinne von einem raschen Verkostungsgläschen, sondern eine Flasche auszutrinken.

Es war meine erste Flasche der Domaine Comte Liger-Belair, jener erst seit 2000 wiederbelebten Domaine, die innerhalb weniger Jahre definitiv ganz oben an der Spitze Burgunds gelandet ist und mit Echézeaux und dem Monopol-Grand-Cru La Romanée, nicht nur geographisch an die Lagen der Domaine de la Romanée-Conti anschließt. Ich wollte herausfinden, wie die Weine der Domaine sind, was sie ausmacht. Also habe ich mir gemeinsam mit einem Freund eine Flasche geholt und wir haben sie geöffnet. Was soll ich sagen – es hat sich irgendwie gelohnt.

Louis-Michel Liger-Belair  besitzt aktuell 8,7 Hektar Rebanlagen ins Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges und Flagey-Echezeaux. Die Paradelage ist definitiv „La Romanée“ die direkt an „Romanée-Conti“ anschließt. Der Wein existiert quasi nicht auf dem Markt. Zumindest nicht für Leute, die unter 3.000€ für eine Flasche Wein ausgeben wollen. Nach der Monopollage sind die Preise sprunghaft. Nichtsdestotrotz landet man auch im 1er Cru-Bereich locker im dreistelligen Bereich. Village-Weine kratzen an der 100€-Marke, finden sich aber je nach Händler leider auch oft drüber, was aber reine Spekulation ob der Exklusivität ist. Mit ganz viel Geduld gibt es die Weine in kleinen Mengen auch drunter.

Die Domaine hat in 2011 lediglich 3.018 Flaschen vom Village-Burgunder aus der Einzellage La Colombière abgefüllt. Mit 0,7825 Hektar im Besitz und  95% der Reben zwischen 60 und 80 Jahre Alter, ist auch dieser Weine quasi nur in homöopathischen Dosen auf dem Weltmarkt zu genießen. Die Trauben hierfür wurden von Hand gelesen und über den Sortiertisch aussortiert. Alle Trauben wurden entrappt. Das Lesegut wurde dann für gut eine Woche unter 15 Grad gekühlt und leicht geschwefelt. Der Wein hat ausschließlich neues Holz gesehen. Erstaunlich ist hierfür, wie gut dies bereits jetzt integriert ist und wie unaufdringlich. Zeugen von sowohl erstklassigem Wein, als auch bestem Holz und geschicktem Einsatz. Der Wein landet unfiltriert und ohne Schönung in der Flasche.

Beim Eingießen wird bereits klar, dass es sich um keinen überextrahierten Burgunder handelt. Der Vosne-Romanée leuchtet kirschfarben und hat einen relativ breiten Wasserrand. Er ist eher transparent, nicht dunkellila und wuchtig. Das Bukett ist fantastisch. Das Holz ist nur ganz zart zu riechen, eher im Hintergrund und niemals vanillig aufdringlich. Dabei ist es bereits jetzt nicht mal als einzelne Komponente zu erriechen, sondern bereits mit der Frucht verwoben. Diese kommt mit der Palette dunkler Waldbeeren angerauscht. Brombeeren und Blaubeeren sind feinsäuberlich nebeneinander sortiert und punktuell immer wieder ganz klar herauszuriechen. Rote Früchte schwingen nur dezent mit. Dazu gesellt sich eine feine Würze und subtile Rauchigkeit. Kurzum: Absolut delikat.

Im Gaumen überrascht zunächst die doch für einen so jungen Vosne-Romanée eher leichte Struktur. Das Tannin ist fast plüschig. Der La Colombière kommt sehr weich und ausgewogen daher. Er ist mittelkomplex und sehr ruhig. Leicht erdige Noten, etwas Herzkirsche und dezent grüne Noten, die hier aber ideal reinpassen und auch irgendwie die Leichtigkeit der 2011er Burgunder verkörpern, kann ich erfassen. Unterm Strich besitzt dieser Einzellagenvillage Charakter. Er ist eher vom ausgewogenen Typ. Das Burgundererlebnis ist hierbei eigentlich nur noch durch mehr Tiefe, Konzentration und eben Reife zu toppen. Für einen Villagewein hat man aber alles, was man erwarten kann. Und so würde ich mich sehr freuen, nochmals eine Flasche von diesem 2011er Pinot Noir in fünf bis acht Jahren zu trinken.

getrunken im Oktober 2014, aus dem Zalto Burgunderglas, 93 Punkte

~ von budisfoodblog - November 25, 2014.

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