Keller – Riesling Hubacker 2005


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Vor einigen Tagen habe ich diese Flasche zu einem guten Freund mitgebracht. Natürlich in der Hoffnung, dass sie uns aktuell viel Freude bereiten würde. Und auch wissend, dass wir beide die Rieslinge von Klaus Peter Keller besonders schätzen.

An dem Abend hat uns der Wein leider nicht so sehr gefallen. Der 2005er Hubacker war unerwartet muskulös. Auch trotz der Erwartungen, dass es sich bei einem 2005er Riesling aus Rheinhessen um einen überdurchschnittlich kräftigen Wein handeln würde. In seiner Art hätte ich den Wein blind zu Beginn vermutlich ins Elsass gesteckt. Er war bei weitem nicht gereift, in irgendeiner Art drüber und eben so wenig zu jung oder verschlossen. Was uns irritiert hat war die ausgeprägte gelbe Frucht und die eher mastige Art des Rieslings, die auch der geringeren Säure geschuldet war. Kellers GG vom Hubacker glänzte satt golden im Glas und gab silberne Reflexe ab. In der Nase empfand ich den Wein als barock. Denn sie fiel opulent aus, offenbarte die ganze Bandbreite an exotischen Früchten, die aber keineswegs primärfruchtig daherkamen, da sie auch von einer feinwürzigen Note begleitet wurden. Am Gaumen hatte man wieder diese für Keller GGs ausgeprägte Kalknote, die aber beim 2005er Hubacker etwas unterging ob der intensiven Aromen wie Papaya, Passionsfrucht und Kokos. Der Hubacker  war kräftig am Gaumen und enorm lang im Nachhall. Der Wein hatte noch Kraft für weitere Jahre, überzeugte aber nicht so, wie wir die GGs aus Flörsheim-Dalsheim ansonsten gewohnt waren. Wir haben die Spannung im Wein diesmal nicht gefunden. Zu knallig fiel die Frucht aus.

Natürlich kann so etwas bei jedem Winzer passieren und keiner kann sagen, ob die Flasche perfekt war. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn die eigentlich spannende Beobachtung, die wir beide gemacht haben, war eine andere. Es war die Erkenntnis, dass im Hause Keller eine Evolution der Stilistik stattgefunden hat. In den letzten rund 12 Monaten habe ich immer wieder gereiftere GG-Rieslinge von Kellers geöffnet. Weil ich herausfinden wollte, wie die Weine sich entwickeln, wie der Hausstil aussieht. Neugier eben.

Ich habe in den letzten Monaten bezüglich der Großen Gewächse nun bis auf 2006 nahezu alle Jahrgänge seit 2004 probiert. Erst kürzlich konnte ich den Hubacker 2004 im Rahmen einer 10-Jahres-Verkostung trinken. Er schlug sich sehr gut zwischen den anderen Rieslingen aus 2004 und ich habe ihm damals fast schon konservative 94+ Punkte gegeben. Er besaß zwar auch eine ausgeprägte gelbe Frucht, fiel jedoch deutlich mineralischer und auch athletischer aus. Die Säure war lebendiger und auch die leicht phenolische Art überzeugte, denn sie verlieh dem Wein enorm Grip. Ein großer Riesling! Das Kirchspiel 2007 ging in eine ähnliche Richtung wie 2005, war jedoch schlanker. Ab 2008 habe ich eine enorme Veränderung festgestellt. Das hat ganz sicher auch mit dem Jahrgang zu tun, auch der Vinifikation. Ich erinnere mich, dass Klaus Peter Keller in Philippi-Manier einen etwas längeren Schalenkontakt durchführte, auch um die enorme Säure des Jahrgangs auf natürliche Art zu puffern. Die Weine haben eine atemberaubende Phenolik, die sie zu Langstreckenläufern macht. Auch das  Kirchspiel aus 2009, welches im Vergleich zur 2008er Version bereits zugänglicher ist, fällt geschliffener, mineralischer und deutlich kühler aus. Dies, obwohl der Jahrgang doch stilistisch eher bei 2005 liegt.

Seit 2010 kenne ich die Jahrgänge sehr gut, weil ich sie immer bei Herausgabe verkostet habe. Die Riesling-GGs sind seitdem stets schanker und kühler geworden, haben diese gelbfruchtige Art abgeworfen. Ich bin der Meinung, dass dies nicht nur eine Frage der Jahrgänge ist, denn zwischen 2005 und 2013 liegen wärmere wie kühlere Weinjahre. Damit haben die GGs eine enorme Wandlung vollzogen. Sie sind nicht nur puristischer, sondern überzeugen auch durch eine  feinere Art, wie ich sie eigentlich immer im Riesling suche. Keineswegs will ich damit sagen, dass ältere Jahrgänge nicht gelungen sind. Nein, sie zählen zum oberen Drittel der damaligen GG-Rieslinge des VDPs und haben sich prächtig entwickelt. Viele sind sogar noch enorm jung. Aber mit jedem Jahrgang gefallen mir Klaus Peter Kellers Rieslinge ein Stück mehr. Am Weinstil derartig konsequent zu arbeiten, ist für mich die herausragende Leistung, die ich hier hervorheben möchte.


Lage: Hubacker

Ort: Dalsheim

Größe: 35 ha, davon 4 ha im Besitz

Exposition: S bis S-O, 25-30%ige Neigung des 4ha großen Hangteils

Böden: Tonmergel und Kalkstein

getrunken im Oktober 2014

~ von budisfoodblog - Dezember 5, 2014.

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