Egon Müller – Le Gallais Braune Kupp eine unterbewertete Lage?


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Was soll ich sagen? Egon Müllers Scharzhofberger Abfüllungen sind weltweit gesucht und anerkannt, die Preise entsprechend hoch. Völlig im Hintergrund werden aber die Rieslinge von der Wiltinger braunen Kupp gehandelt. Eigentlich werden sie auch – zumindest online – kaum diskutiert. Mitnichten handelt es sich hierbei um den Zweitwein des Scharzhofs. Wann immer ich  Freunde der Scharzhofweine treffe, ist man sich einig, dass auch die Braune Kupp in guten Jahren mit jenen Legenden aus der direkt am Weingut gelegenen Lage konkurrieren können. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass die Braune Kupp in den schwächeren, ja kälteren Jahren jenen aus dem Scharzhofberg überlegen ist. Das mang wohl auch an den etwas wärmeren Bedingungen der Lage liegen und vor allem am fetteren Boden. In ihrer Filigranität und Eeganz unschlagbar, bleiben aber jene Scharzhofberger Abfüllungen aus den besten Jahren. Unterm Strich bleibt die Präferenz wohl überwiegend eine Stilfrage.

Zur Lage:

Die Wiltinger Braune Kupp ist süd-südwestlich bis süd-südöstlich exponiert und hat eine Hangneigung von durchschnittlich 50%. Im Gegensatz zum Scharzhofberg, liegt die Kupp direkt am Fluss. Sie befindet sich an der Saarschleife zwischen Wiltingen und Kanzem und etwa fünf Autominutem vom Weingut entfernt. Wie bereits angesprochen, unterscheiden sich die Böden des Scharzhofbergs von jenen der Braune Kupp. Letztere hat hauptsächlich roten Schiefer und weniger grauen. Zudem ist der Anteil an toniger Feinerde höher. Der vergleichsweise „fettere“ Boden ergibt auch ganz andere Weine. Ich habe dies jetzt immer wieder bei Vergleichsverkostungen festgestellt: Die braune Kupp scheint in der Jugend oft ein wenig dicker, hat mehr reifere Fruchtnoten wie Aprikose und Pfirsich und kommt etwas substanzreicher daher, besonders in wärmeren Jahren wie 2012. Man könnte auch sagen, die Weine sind hedonistischer. Mit der Reife aber – und die Braune Kupp reift sehr gut – kommt die saartypische Filigranität und Würzigkeit auch hier ideal zur Geltung.

Die braune Kupp ist Monopollage. Egon Müller IV hat hier mittlerweile alle 4 Hektar im Besitz. Die Weine werden im Scharzhof vinifiziert. Umso verwirrender mag das völlig andere Etikett und die „Erzeugerabfüllung Le Gallais“ anmuten. Seit 1954 gehört das Weingut „Le Gallais“ zum Scharzhof. Egon Müllers Vater übernahm das Weingut Le Gallais 1954 und  erwarb Anteile der Braunen Kupp. Später konnten die restlichen Parzellen zugekauft werden, sodass die Lage heute im Alleinbesitz Müllers ist. Die Bezeichnung „Le Gallais“ sowie die separate Etikettierung unterscheiden auch heute noch beide Weine. Ein klares Bekenntnis zur Stellung und Wertschätzung der Lage Scharzhofberg aber auch eine indirekte Abstufung der Braunen Kupp.

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Kürzlich hatte ich dank einem sehr aufmerksamen und spendablen Gastgeber und Freund, die Möglichkeit, jene Größe der Lage erneut zu erleben. Zum Vergleich gab es ein Duett zweier Versteigerungsweine aus der Braunen Kupp. Wir hatten quasi einen Dekadensprung und einen Prädikatssprung. Nebeneinander standen aus den beiden tollen Jahrgägenen die 1994er Versteigerungsauslese und die 2004er Versteigerungsspätlese. Dies war eine anschauliche Gegenüberstellung jener Prädikate und deren Reifepotential. Obwohl beide Weine so unterschiedlich waren, empfand ich den Vergleich als durchaus angemessen und ehrlich gesagt hatte ich lange nicht mehr ein derartiges „Duell“, bei dem ich permanent unsicher war, welcher Wein mir nun besser gefällt.

Im linken Glas befand sich die 20 Jahre alte Auslese. Sie war deutlich tieffarbener, fast ein wenig hellorange und golden schimmernd. Die Farbe ist zum einen mit dem höheren Prädikat, als auch dem Alter zu erklären. Zum anderen auch mit dem Jahrgang 1994 an sich. Rechts daneben stand hellgold und jugendlich strahelnd die , je nach Sichtwiese zehn Jahre alte oder zehn Jahre jüngere Spätlese. Die Auslese überzeugte vor allem ob der Komplexität, die sie mit der Reife erlang hatte. Sie ist weit über die süßlich reife Aromatik einer jungen Auslese hinausgewachsen. In der Nase kamen dezente Noten von Karamell als auch Darjeelingtee und feine Kokosraspeln zur Geltung. Am Gaumen hatte man wieder die an Schwarztee erinnernde Art sowie erneut Karamell aber auch Hippen. Die Auslese besaß Komplexität und Spannung um unbeschwert ein weiteres Jahrzehnt zu reifen. Mit der Belüftung kamen am Gaumen noch Aromen wie reife Honigmelone und Aprikose zur Geltung. Die Auslese war in der Viskosität noch etwas dicker und offenbarte immer wieder neue Noten beim Schwenken im Glas.

Die 2004er Spätlese fängt gerade erst an durch ihre Entwicklung zu glänzen. Sie befindet sich gerade an de Schwelle zwischen jugendlicher Fruchtigkeit und Frische und ersten Reifenoten, die ihr Vielschichtigkeit geben. In der Nase hatte man auch hier Tee, jedoch eher filigranen Oolong. Hinzu kommt eine leicht laktische Komponente und eine herbe Note. Die Spätlese ist noch eher jugendlich in der Nase. Im Gaumen wirkt sie trotz des leichteren Prädikats ob der zehn Jahre Unterschied etwas dicker. Feine Kamillenoten zeichnen sie aus. Sie ist trotzdem, dass sie kräftiger ausfällt, insgesamt von herberem Charakter. 10 bis 15 Jahre sind ein Kinderspiel für sie.

 

 

~ von budisfoodblog - Dezember 15, 2014.

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