Barolo – 2007er Horizontale


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Wie enwickelt sie die erste Garde der Barolo aus einem Jahrgang wie 2007? Ich hatte das Glück einer solchen Gelegenheit beizuwohnen und konnte so sieben für die Region repräsentative Barolo gegeneinander verkosten.

Die Winzer im Barologebiet können sich nicht beschweren. Die letzten zehn Jahre bescherten eine beeindruckende Bandbreite an gelungenen Jahren, wobei sich kräftige und opulente Jahre (2006, 2008, 2010) oft mit den eleganten (2007, 2009, 2011) abwechselten. 2010 ist auch wenn die meisten Flaschen längst subskribiert oder verkauft wurden, in aller Munde. Denn der Jahrgang scheint enorm kräftige Weine hervorgebracht zu haben, die keinesfalls verkocht wirken und enormes Potential versprechen. Das Jahr wurde von Journalisten (zu Recht) immens gelobt, Händler kämpften um Zuteilungen und viele Weinliebhaber waren um jede ergatterte Flasche glücklich. Es gab weltweit einen enormen run auf die Rotweine des Jahrgangs. Das Jahr 2007 geht da fast ein wenig unter, obwohl es unterm Strich immer noch als ein gutes Jahr gesehen werden kann. Doch ähnlich wie im Burgund scheinen die 2007er Weine hier früher zugänglich zu sein und nicht ganz so viel Reifepotential zu besitzen. Was bei einem Wein wie Barolo weiterhin bedeutet, dass man die Spitzenerzeugnisse getrost 10 Jahre und mehr im Keller reifen lassen kann.

Die Weine zeigen sich dafür jetzt von einer sehr schönen Seite. Sie wirken nicht enorm schlank, besitzen reifere Fruchtnoten und Kraft, ohne ein all zu hartes Tanningerüst. Dies macht sie derzeit zu sehr gelungenen Essensbegleitern. Warum die Weine so sind, wie sie nun einmal sind, erklärt der Jahresverlauf 2007: Das Jahr zählt zu den wärmeren. Das Traubenmaterial war rasch reif, die Tannine ebenso. Die Lese der spätreifenden Nebbiolotraube geschah im Schnitt gut zwei Wochen früher als üblich. Wer zu früh erntete, hatte einfache Qualitäten im Keller, wer mehr Tiefgang suchte, hatte mit niedrigen Säurewerten zu kämpfen. Doch einige Winzer bewiesen ein gutes Händchen. Und so standen an diesem Abend einige sehr verführerische Barolo am Tisch, die mehr als nur eine erste Impression davon abgaben, wie sie sich entwickeln werden. 2007 ist ein feiner Jahrgang für den ungeduldigen Weintrinker.


Ellio Grasso – Barolo Gavarini Chiniera 2007: 

Die Barolo von Ellio Grasso werden weder traditionell, noch modern vinifiziert. Im Hause Grasso arbeitet man sowohl mit großem, als auch kleinem Holz. Dieser Barolo entspringt der Südhanglage Gavarini Chiniera und wurde in diesem Fall nach der Vergärung im Stahltank ausschließlich im großen Holz ausgebaut. Dieser Barolo hatte es am Abend vielleicht am schwierigsten. Trotz seinen 14,5 Vol. % erwies er sich als zartester und zurückhaltendster Barolo in der Horizontale. Farblich dunkel und fast blickdicht, zeigt der Wein im Bukett zunächst leicht laktische Noten von Kefir, blühte dann aber mit Luftkontakt auf und bot eine Mischung aus roten Früchten und erdigen Noten an. Am Gaumen empfand ich den Wein als sehr elegant und eher einfacher gestrickt. Das störte jedoch in keinem Fall, denn der Barolo besaß viel Trinkfluss. 91P


Cavallotto – Barolo Bricco Boschis Vigna San Giuseppe 2007:

Mit den übrigen sechs Vertretern konnte der Cavalloto an diesem Abend leider nicht mithalten. Er erwies sich von allen Gegnern als simpelster Wein. Den blickdichten Barolo zierte ein leichter Wasserrand. In der Nase sprangen einem zunächst animalische Noten entgegen in Form von Kuhstall. Erst dahinter konnte man Brombeeren entdecken. Am Gaumen empfand ich den Bricco Boschis Vigna San Giuseppe zu unausgewogen. Das Tannin trocknete hinten raus aus. Dem stand zu wenig Frucht entgegen. Somit blieb ein ordentlich gemachter aber aktuell nicht faszinierender Wein übrig. 88P


Falletto di Bruno Giacosa – Barolo Le Rocche del Falletto Riserva 2007:

Als nahezu unschlagbar empfand ich die Red-Label-Version von Bruno Giacosa. Die Riserva des Kultweinguts sah ausschließlich großes Holz. Falletto zählt neben den beiden Mascarellos und Giacomo Conterno zu den absoluten Traditionalisten. Überraschend burgundisch fiel dieser 2007er Riserva aus. Ein zartes Rubinrot mit Wasserrand deutet bereits auf die filigrane Art des Weines hin. Die Nase offenbarte eine komplexe Palette an roten Früchten mit ausgeprägter und glasklarer Himbeernote, die sich mit etwas Milchkaffee und Karamell verwob. Am Gaumen fiel mir zunächst das ultrafeine und eher mittelkräftig ausgeprägte Tannin auf. Ein Aroma von Kirschkernen durchzog den sehr leicht wirkenden und doch so komplexen Barolo. Lediglich im Abgang deutet das etwas trocknende Tannin noch auf die Jugendlichkeit des Weins hin. Er bereitet ob seiner Finesse bereits jetzt enorme Trinkfreude, wenngleich er höchstes Potential für weitere Jahrzehnte besitzt. Ein großer Wein! 96P


Aldo Conterno – Barolo Bricco Bussia Cicala 2007:

Aldo Conterno zählt mittlerweile wieder zur absoluten Spitze im Barologebiet. Seit 2001 besitzen die Weine ob der strikten Qualitätsphilosophie der drei Brüder eine neue Klasse. Auch Aldo Conterno ist kein Betrieb, der in Schubladen einsortiert werden kann. Bezüglich der Barolo aus der Lage Cicala praktiziert man hier aber auch  die traditionelle Methode des Ausbaus im großen Holz. Der Barolo tat sich an dem Abend ein wenig schwer. Farblich fiel er von allen Barolo am tintigsten aus. Lediglich ein purpurfarbener Rand hob sich vom dunklen Wein ab. In der Nase dominierten dunkle Früchte und ein wenig Rumtopfaromen und etwas Mokka. Am Gaumen gab der Aldo Conterno einen sehr konzentrierten Wein ab, der aber nicht von derartig dunklen Aromen geleitet wurde, wie man sie im Bukett vorfand. Hier spielte sich die Bandbreite der Früchte eher im hellroten Bereich ab. Dazu gesellte sich jedoch eine leicht grüne Note in Form von diversen Kräutern. Der Barolo wusste durchaus zu gefallen, driftete aber ein wenig in die Super-Tuscan-Richtung ab. 93P


Sandrone – Barolo Cannubi Boschis 2007:

Luciano Sandrone gehört vielleicht zu den modernsten Betrieben der Region und auch zu jenen, die dem Barologebiet frischen Wind verliehen haben und einer neuen Gruppe an Weinliebhabern zugänglich machten. Eine kürzere Mazerationsdauer und der Ausbau im 500-Liter-Tonneau kennzeichnen diesen Barolo aus der Paradelage Cannubi Boschis. Der eher lilafarbene Barolo mit dunklerem Kern fiel aktuell ziemlich verschlossen aus. Als überraschend kräftig und zupackend erwies sich das Tannin dieses Weins. Sowohl am Gaumen als auch in der Nase blieb der Sandrone sehr zugeknöpft. Ein Wein der noch eine lange Lebensdauer vor sich hat aber aktuell schwierig zu verkosten ist. 92P


Vietti – Barolo Lazzarito 2007:

Vietti ist bekannt für die zahlreichen Einzellagenabfüllungen. Der Lazzarito ist laut eigenen Angaben die modernste Interpretation des Barolos. Die bei 20 hl/ha gelesenen Trauben verbringen 28 Tage im Stahltank. Daraufhin verbrachte der Wein zunächst 4 Monate im französischen Holz, bevor er dann weitere 32 Monate in der slowenischen Eiche reifte. Der mit leichtem Wasserrand ausgestattete eher etwas purpurfarbenere und dichtere Vietti beweist bereits in der Nase was er kann. Ein komplexes Bukett dunkler Früchte deutet den expressiven Charakter dieses Weines an. Am Gaumen erscheint der Lazzaritto enorm kräftig und substanzreich. Man muss sich bereits mit einem kleinen Schluck tiefgreifend auseinandersetzen, denn der Tiefgang ist atemberaubend. Dieser Wein hat Substanz und kann ob des enormen Extraktes nur derartig überzeugen, weil dem eine frische Säure entgegensteht. Der Lazzaritto zählt nicht zu den eleganten Vertretern. Er ist ein Supersportwagen, der pure Pferdestärke zeigen will! Das im Abgang noch präsente Tannin stellt klar, dass der Wein noch reifen will und kann. 94P+


Giacomo Conterno – Barolo Cascina Francia 2007:

Das Weingut Giacomo Conterno zählt sicherlich zu den Urtraditionalisten unter den Betrieben. Die Barolo aus Serralunga d’Alba gehören zur absoluten Spitze, wobei über der Einzellage Cascina Francia nochmals der Monfortino die Krönung des Sortiments bildet. Die Weine sehen keinen Stahltank, weder während der alkoholischen Gärung, noch beim Ausbau im großen Holz von Stockinger. Der kirschrote, mit Wasserrand ausgestattete Cascina Francia gibt mächtig Schlieren im Glas ab. Die Nase bietet einen Mix aus hellen roten Früchten, Kirschkernen und etwas Schuhcreme. Am Gaumen erweist sich der Barolo als immens weich und wie aus einem Guss. Die präzise Art des Barolos überzeugt micht hier am meisten. Eine klare Kirschnote kennzeichnet den verhältnismäßig tanninarmen Wein, der so burgundisch ausfällt und dessen saubere Frucht lediglich von einem Hauch Milchkaffee verschleiert wird. Ein atemberaubend filigraner Barolo. Sehr fein! Übrigens auch viel zugänglicher, als die 2005er Variante, die ich erst vor einer guten Woche verkosten konnte.  95P+

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alle Weine parallel verkostet im November 2014

~ von budisfoodblog - Dezember 23, 2014.

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