Wohlmuth – Sauvignon Blanc ohne Schubladendenken


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Sauvignon Blanc ist ein Thema für sich. Zum einen weil es so viel banalen Sauvignon Blanc gibt, der bedenkenlos von den Karten bestellt wird, solange nur eben diese Rebsorte zu finden ist. Zum anderen, weil das in-Schubladen-stecken bei jeder Verkostung garantiert ist. Ich glaube, es gibt keine Rebsorte, die mehr von Amateuren und Profis automatisch zugeordnet wird.

Da gibt es den grünen Sauvignon Blanc Typ, der mit grüner Wiese und Stachelbeere umschrieben wird, oft aus Deutschland oder kühleren Regionen kommt, den Neue-Welt-Vertreter mit aufdringlichen Cassis- und grüner Paprikanoten, die einem ins Gesicht springen, den mineralisch-leicht-kühlen und eher subtilen Terroirsauvignon aus Sancerre und Co. und dann eben noch Weine, die einfach weltklasse sind. Oft, weil sie eben nicht „so sauvignontypisch“ sind. Ich denke da an die großen fast exotisch-fruchtigen und doch so mineralisch geprägten Weine Dagueneaus, die Mont Damnés von Cotats oder G. Boulays Clos de Beaujeu, der auch heut noch aus 1997 oder 1998 große Freude ins Glas zaubert und Verkostergesichter strahlen lässt.

Manchmal fällt mir diese Kategorisierung schwer. Zum Beispiel bei den Sauvignons von Wohlmuth. Das  70 Hektar umfassende Weingut befindet sich in Österreich, genauer gesagt in Kitzeck im Sausal. Die Kompetenz ist klar: Weißwein, vorwiegend Sauvignon Blanc. Ganze 40% der Rebanlagen sind hiermit bestockt, erst dann folgen Gelber Muskateller, Weißburgunder und der klassische Welschriesling.

Die Weine besitzen eine reife Frucht, wie ich sie im Sauvignon Blanc suche und sind dabei trotzdem kühl und eher mineralisch geprägt. Aber sie sind eben nicht nur exotisch fruchtig, sondern haben auch den leicht grünen Part in sich, der gut dosiert eben nicht unangenehm ist, sondern so wie manch botrytisbehaftete Riesling Auslese eben für ein mehr an Komplexität sorgt.

Die Böden sind hier vorwiegend karg und schieferlastig. Rund 85% macht der rote, blaue oder grau-schwarze Schiefer aus, der Rest ist Muschelkalk. Da die größtenteils steilen Weingärten  gegenüber den restlichen Lagen der Südsteiermark etwas höher liegen, kann hier hervorragend die Cool-Climate-Karte gespielt werden. Die höchsten Einzellagen befinden sich bis zu 650 Meter über dem Meeresspiegel!

Sohn Gerhard Josef betreibt das Weingut mit seinem Vater. Das Weingut selbst besteht seit 1803. Ich habe die Weine erstmals vor rund zwei Jahren auf der Prowein ausgiebiger verkostet. In Österreich und speziell in der Steiermark gibt es eine Vielzahl hervorragender Sauvignons. Zu diesen zähle ich auch jene der Wohlmuths. Um so mehr habe ich mich gefreut, die Gelegenheit zu haben, die wichtigsten Weine der Kollektion in Ruhe zu verkosten. Anbei meine Eindrücke:

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Sauvignon Blanc Steinriegl 2013

Steinriegl ist eine Südwestlage auf 400 bis 540m. Dieser Sauvignon Blanc glänzt hellgold im Glas und besitzt silberne Reflexe. Die Nase fällt würzig aus, es zeichnet sich der Duft von grünen Bohnen und gelber Kiwi ab. Das Bukett ist damit weder grün noch exotisch reif, sondern immer changierend. Am Gaumen hat der Sauvignon eine ordentliche Substanz, saftige Frucht und wirkt reif. Dabei bleibt er aber verspielt und lebendig, da die Säure dem entgegensteuert. Ein eher opulenter Sauvignon mit langem Ausklang, der an kandierte Ananas erinnert. Schöner Sauvignon, der nicht zu expressiv daherkommt. 88P

Sauvignon Blanc Hochsteinriegl 2013

Hochsteinriegl ist die älteste Weinlage der Wohlmuths. Roter Schiefer mit Quarzeinschlüssen prägen hier die Lage. Der Hochsteinrigel liegt hellgold im Glas und erweist sich als dezenter und verschlossener Sauvignon Blanc. Mit etwas Belüftung rieche ich reife Kiwi, Sesam und Guave. Am Gaumen wirkt der Hochsteinriegl sehr straff und nicht so üppig wie der Edelschuh. Das Aroma hält enorm lang am Gaumen an. Der Wein wirkt am kühlsten, besitzt eine feine Säure und kommt sehr druckvoll am Gaumen daher. Trotzdem bleibt er auf der zarteren Seite. Für mich mit dem Edelschuh nahezu auf einer Ebene mit dem Topwein. Es ist eher eine Stilfrage ob man den intensiven und reifen Edelschuh bevorzugt oder der kargeren Hochsteinriegl. 89P- 90P

Sauvignon Blanc Edelschuh 2013

Die karge Lage Edelschuh wird stets spät aber immer botrytisfrei gelesen. Die Reben sind hier 30 bis 55 Jahre alt. Der Edelschuh 2013 ist hellgold und klar im Glas. Kandierte Ananas und etwas Kokos prägen das eher dezente Bukett. Am Gaumen hat man einen sehr reifen Sauvignon, der expressiv daherkommt. Ein hochkomplexer Vertreter, der schon fast eine erhabene Art hat. Sehr fein und lang im Ausklang. 90P

Sauvignon Blanc Kitzecker 2014

Dies ist eine Fassprobe. Der Kitzecker Sauvignon leuchtet hellgold im Glas. Grüne Bohnen, Birne und weiße Blüten zeichnen das Bukett. Am Gaumen wirkt der Wein transparent und sehr sauber. Man hat eine ganz klare Aromatik im Glas, der Wein wirkt ungemein gläsern. Besitzt ein schönes Spiel zwischen Fruchtigkeit am Gaumen und eher grünen Noten in der Nase. Ein ganz gelungener Sauvignon Blanc. 87P

Gelber Muskateller Steinriegl 2014

Hierbei handelt es sich um eine Fassprobe. Der Steinrigl Muskateller ist nahezu durchsichtig im Glas. Das Bukett fällt sehr klar und präzise aus. Keinerlei kitschige Noten finden sich hier. Am Gaumen ist der Wein enorm trocken für die Rebsorte. Genau dies gibt ihm seine Klasse. Ein ganz süffig, extrem weicher Wein mit frischen Mirabellen und einer feinen Säure. Ich wünsche mir mehr derartig trockene Muskateller! 85P

Riesling Edelschuh  2014

Der Riesling stammt aus dem Ried Edelschuh, der vom roten Schiefer geprägt ist und bis zu 78% Steilheit besitzt. Er glänzt blassgelb und klar im Glas. Zunächst wirkte er ein wenig verschlossen, roch nach Gummischlauch, was aber mit Belüftung glücklicherweise wegging. Dann kam ein glasklarer Riesling zum Vorschein, der mit Noten von grünem Pfirsich, Aprikose und grüner Birne und etwas Grapefruit einen sehr fruchtig-reifen Riesling verkörpert. Am Gaumen erinnert er an einen Rheinhessen-Typ, besitzt eine prägnante aber nicht scharfe Säure und Cremigkeit. Ein sehr exotischer Vertreter mit Noten von Johannisbeeren. Langer Ausklang. 87P

Chardonnay Edelschuh 2013

Der Chardonnay enttäuschte mich zunächst direkt aus dem Glas. Er wirkte leicht bitter und enorm fruchtig, als ich ihn direkt nach dem Öffnen verkostete. Also habe ich den wie von einem Grauschleier belegten Wein in eine Karaffe gegeben und einen halben Tag lang belüftet. Am ersten Tag habe ich Knete und viel Birne wahrgenommen. Erst mit der Luft blühte der Wein dann auf und zeigte etwas Aloe Vera aber auch mehr die eher milchig-holz-hefe-betonten Eigenschaften eines Chardonnays. Am Gaumen hat man eine überdurchschnittlich lebendige Säure, wenn man sich am burgundischen Chardonnaygeschmacksbild orientiert. Viel Grapefruit und eine saubere Art prägen den Edelschuh. Je mehr Luft der Wein bekommt, desto runder und cremiger wirkt er auf mich. Für mich könnte er einen Ticken weniger Alkohol besitzen. Ansonsten hat man einen höchst individuellen Chardonnay mit Charakter. Aber aktuell bitte unbedingt belüften! 86P

 

alle Weine verkostet im Februar 2015, aus dem Riedel Sommelier Chiantiglas bzw. Zwiesel 1872 Wine-Classics Chardonnayglas

~ von budisfoodblog - März 27, 2015.

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