BerlinGutsrieslingCup 2014/ 2015


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Wer macht den besten Gutsriesling?

Beim von Martin Zwick veranstalteten BerlinGutsrieslingCup, einer themenbezogenen Veranstaltung, die nun seit mehreren Jahren organisiert wird, traten 37 trockene Rieslinge gegeneinander an. 11 Weinprofis und Liebhaber kürten in der Blindverkostung die besten Rieslinge des Jahrgangs. Ich war bereits beim BerlinSpätburgunderCup in 2013 dabei und habe berichtet. Für alle, die den Ablauf nicht kennen, hier die Rahmenbedingungen:

Martin Zwick lädt jedes Jahr Persönlichkeiten aus der Weinbranche ein, darunter aber auch private Weinliebhaber. Die Mischung ist immer sehr ausgeglichen, sodass man quasi alle Meinungen einfängt. Die Weine werden blind verkostet. Zuvor ist nicht bekannt, welche Weine antreten. Natürlich sind immer die Klassiker dabei, die Blue Chips und heiß diskutierte Weine sowie Neuentdeckungen und eine Handvoll Weine von Jungwinzern. Jeder gibt Punkte ab, die höchste und niedrigste Wertung entfällt. Am Ende wird der Sieger ermittelt und alle Weine werden aufgedeckt.

Die Verkostung war dieses Jahr sehr ruhig und alle Teilnehmer sehr konzentriert. Man konnte zügig jeden Wein verkosten, ohne sich zu sehr von Kommentaren anderer beeinflussen zu lassen und am Ende waren alle noch fit genug, um einen weiteren Teilnehmer, die Nummer 37, zu verkosten.

Mit den Siegerweinen auf dem Treppchen waren sich nahezu alle Verkoster einig. Es waren würdige Sieger und gelungene Weine des Jahrgangs 2014. Bürklin Wolf hat mit einem Punkt Abstand klar gewonnen, Keller und Sankt Antony teilen sich quasi den zweiten Platz, sind nur Nuancen voneinander entfernt. Ab Platz 4 gehen die Meinungen und Urteile wie gewohnt weiter auseinander. Hier gab es Weine, die teilweise hoch gepunktet wurden und von anderen Verkostern Ablehnung empfingen. Insgesamt hat mich überrascht, dass ein Großteil der 14er Weine in der Basis sehr unfertig, teilweise kurz und eindimensional ausfiel. Die Weine waren dann säurelastig und unausgewogen. 2014 war kein einfaches Jahr, zumindest für viele Anbaugebiete. 2014 ist mitnichten ein schlechter Jahrgang!

Rheinhessen und die Pfalz lagen weit vorne. Es sind jene Anbaugebiete, die in 2014 wetterbedingt mehr Glück hatten, besonders während der Lese. Sicher wurden einige Weine früher als gewünscht gelesen. Ein Basiswein muss quasi jedes Jahr vorhanden sein, eine gewisse Menge abdecken und auch Geld einbringen. An der Spitze kann gespielt werden, in der Basis weniger. Vermutlich waren jene Weine, Weine die in der Nachbetrachtung zu früh gelesen wurden. Bevor man jetzt aber 2014 verurteilt, muss auch erwähnt werden, dass viele Weine gestrahlt haben. Zudem sei gesagt, dass anders als z.b. im Jahr 2010 wenige Weine ausgezehrt, platt oder bereits müde erschienen. Das ist ein ganz anderer Ansatz, als noch vor vier Jahren. Die Winzer haben aus 2010 gelernt und es sei gesagt, dass auch wenn manch Wein eine spritzige Säure aufweist, jener Jahrgang keineswegs mit 2010 zu vergleichen ist. Alles ist viel reifer, saftiger! Die ersten Flights haben eher enttäuscht, doch dann kamen auch Weine, die sehr ausgewogen waren, keinerlei Anzeichen von säurehaltigen, unreifen Weinen erkennen ließen und Freude bereitet haben. So soll es sein! Es bleibt jedem Verkoster selbst überlassen, was er sich unter einem idealen Gutsriesling vorstellt. Mein Idealbild ist ein einfacherer Trinkwein, der trotzdem den Anspruch nicht vermissen lässt. Er soll Charakter besitzen, markant sein aber eben unterm Strich Trinkfluss besitzen und flaschenweise trinkbar sein. Er soll die Visitenkarte des Winzers sein. Im Anhang die Gewinner und meine 10 höchst bewerteten Weine, dazu die jeweiligen Verkostungsnotizen. Zu den Punkten sei gesagt, dass sie so angelegt sind, dass sich die Bewertung im Rahmen eines Gutsrieslings abspielt. Ich denke, wenn ein Gutsriesling mit 89 Punkten dasteht, gibt es nicht mehr viel Spielraum nach oben – in diesem Bereich! Die Tatsache, dass einige Weine bei mir bei 87 Punkten liegen, hat einfach damit zu tun, dass sich viele Weine auf dem Level präsentierten und in so einem kurzen Zeitfenster der Verkostung treten die ganz feinen Facetten natürlich in den Hintergrund. Was also 87 Punkte bekommt, empfehle ich gerne weiter. In diesem Bereich muss man eben auch selbst herausfinden, welcher Stil einem mehr liegt, was man bevorzugt. Anbei die Impressionen:

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Platz 1: Bürklin-Wolf, Riesling trocken 2014:

Die Trauben stammen aus Anlagen in Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg. Ausbau fand sowohl im Edelstahl, als auch Doppelstück-Holzfass statt. Helles gold mit Reflexen. Im Bukett reife Frucht, mürber Apfel, reife Nektarine und gelbe Pflaumen. Am Gaumen zieht sich eine angenehme Phenolik entlang des Weins, etwas Grapefruit gesellt sich dazu. Für mich ein ganz typischer Pfälzer Riesling. Er wirkt ob der Struktur und Länge im Abgang athletisch. Angenehmes Spiel mit der Reife und herben Art des Gutsrieslings, machen den Wein zugänglich. Sehr verständlicher Gutsriesling! Davon kann man eine Flasche trinken!

Platz 2: Keller, Riesling trocken, 2014:

Eher zartes hellgold mit silbernen Reflexen. Die Nase verkörpert Äpfel und satte Steinobstfrucht. Dann kommt noch Grapefruit hinzu, auch Zitronen, etwas Salz und helle Blüten. Am Gaumen geprägt von schlankem Körper, super ruhig und harmonisch. Dicht verwobene Aromatik, etwas Grüntee, reife Birne, wieder etwas Zitrusfrucht. Dahinter klemmt sich eine feine Würzigkeit und gut integrierte Säure. Wird geleitet von einer hauchfeinen, sehr dezenten Phenolik und erscheint wie aus einem Guss. Enorm saftige Frucht, die dem Wein seinen Trinkfluss verleiht. Ein ausgesprochen vielschichtiger Gutswein.

Platz 3: Sankt Antony, Riesling „Rotschiefer“, 2014:

Riesling aus alten Reben. Spontane Vergärung, Ausbau in alten Doppelstückfässern und Stahltank. Keine Maischestandzeit, langsames Pressen. Tieferes vollgold, im Bukett Grapefruit, auch kräutrige Anklänge, etwas Schieferwürze. Auch am Gaumen wirkt der Rotschiefer enorm komplex. Etwas Zitrus- und Orangenschale, Tee und Nektarine bescheren Trinkfluss und Saftigkeit. Sehr verspielt und trotzdem bestens balanciert, fast schon erhaben wirkend. Ein Riesling mit Profil!

89 Punkte:

Kai Schätzel, Riesling trocken, 2014: enorm lang am Gaumen, sehr harmonisch, etwas gelber Tee, reifes Steinobst, tief verwoben. Für mich eine enorme Überraschung!

88 Punkte:

A.J Adam, Riesling trocken, 2014: Für mich der spannendste Gutsriesling, den ich nicht am höchsten bewertet habe, da die Spontinase viel verdeckt hat. Man hat förmlich gemerkt, wie gut dem Riesling weitere Belüftung und Auseinandersetzung tun würde. Am Gaumen komplex, sehr dicht verwobene Aromatik, lang und gut integrierte Säure, etwas breiterer Typ. Ganz viel Wein für einen Gutsriesling!

Klaus Meyer, Riesling „Back to the roots“, 2014: Goldgelb, etwas Kohlensäure vorhanden. Im Bukett noch etwas bedeckt, kalkig, leicht rauchig-reduktiv. Auch am Gaumen spürt man noch die Kohlensäure, was nicht schlimm ist. Knochentrockener Riesling, lang im Nachhall (Zitrusaromen), sehr lebendig und auf der frischen Seite, viel Granny-Smith. Ein sehr präziser und lang am Gaumen verweilender Riesling. Stark. Eine Überraschung, da ich den Winzer noch nicht kannte!

Georg Mosbacher, Riesling trocken, 2014: Mittelhelles gold, etwas weicher am Gaumen als der Keller Gutsriesling, der im direkten Flight stand und auch üppiger, viel reife Birne und doch prägnante Säure. Hat mich ein wenig an Saar-Riesling aus der Fuder erinnert, da die Säure so stahlig erscheint.

87 Punkte:

Weedenborn, Riesling trocken, 2014: Sehr weich, ausgewogen. Ein balancierter Riesling am Gaumen, lang und harmonisch, mittelkräftiger Typ, ruhig und geschmeidig am Gaumen. Sehr typisch für einen Basisriesling. Man könnte allenfalls bemängeln, dass er etwas poliert daherkommt.

Wageck, Riesling Tertiär, 2014: Spontinase, die viele Verkoster irritiert hat. Krasse Säure am Gaumen, wirkt knalltrocken, frisch, etwas gerbig am Gaumen. Enorm fordernd, benötigt Zeit. Mir gefällt das!

Battenfeld-Spanier, Riesling trocken, 2014: Leichte Feuersteinnase, etwas schweflig, hat Substanz, erscheint ausgewogen, noch etwas unruhig, überzeugt dafür aber durch seinen langen Nachhall, viel Apfel und Birne, reife Säure.

Christmann, Riesling trocken, 2014: Noch etwas von der Kohlensäure verdeckt, sehr kräftig, substanzreich, dezente Phenolik. Fast schon monolithisch. Ein echtes Kraftpaket mit saftiger Frucht.

Dönnhoff, Riesling trocken, 2014: Saftiger Typ, reife Frucht, harmonisch. Blind auf Emrich-Schönleber getippt!

Diel, Nahesteiner Riesling trocken, 2014: Enorme Komplexität, warmer Typ, große Kraft, lang am Gaumen. Braucht wohl Luft.


Top 10 der Verkoster:

  1. Bürklin-Wolf Riesling trocken 2014
  2. Keller Riesling trocken 2014
  3. Sankt Antony Rotschiefer 2014
  4. Kai Schätzel Riesling trocken 2014
  5. Wittmann Riesling trocken 2014
  6. J.B. Schäfer Riesling trocken 2014
  7. A.J Adam Riesling trocken 2014
  8. A. Christmann Riesling trocken 2014
  9. Jülg Riesling trocken 2014
  10. Emrich-Schönleber Riesling trocken 2014

Jury:

Katharina Racek – Weingut Dr. Loosen

Paula Redes Sidore – Journalistin

Christoph Raffelt – Originalverkorkt.de

Frank Ebbinghaus – Stuart Pigott WEINHIER

Felix Bodmann – Schnutentrunker.de/ webweinschule

Tom Schramm – Belvini.de

Florian Moosbauer – Planet Wein, Berlin

Jürgen Klucken – Riesling-Liebhaber

Michael Rauscher – Riesling-Liebhaber

Johannes Baumann – Riesling-Liebhaber

Markus Budai – Weinwisser/ Budi’s Foodblog/ Gute Weine


~ von budisfoodblog - Juni 22, 2015.

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