Gastartikel: Unterwegs in Apulien


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Unterwegs in Apulien. Mein Kollege C.Strauss hat einige Tage in Apulien verbracht und Region, Wein und Geschichte aufgearbeitet. Er bloggt gelegentlich auf Wine-Zeit und setzt sich besonders mit der Pinot-Noir-Traube – egal wo auch immer sie kultiviert wird – auseinander. Er berichtet von autochthonen Rebsorten, vergessenen Weinen und unbekannteren Weinregionen, die man sonst nicht ständig auf dem Radar hat. Wir haben gemeinsam schon einige Weinregionen und Winzer bereist und teilen einen ähnlichen Weingeschmack.


Die Weinwelt in ihrer Vielschichtigkeit vermags, wenn man genügend Offenheit gegenüber eher Unbekanntem hat, einen immer wieder zum Staunen zu bringen. Wie nicht wenige Regionen hat auch Apulien mit dem festgefahrenen Ruf von Massenproduktion, Ertragsexzessen, Eintönigkeit und einer einstigen Rolle der „Ergänzungsbereicherung“ berühmterer Weine aus dem Norden zu kämpfen. Das sich in den letzten Jahren eine Menge hinsichtlich Qualität, Mengenbegrenzung und Diversifizierung von Stilistiken getan hat, konnte ich mir Dank einer Einladung des Movimento Turismo del Vino Puglia in die Region Salento im Süden Apuliens selbst ein Bild machen. Ich hatte die Möglichkeit viele Weinproduzenten zu besuchen. Alteingesessene Weingüter, international agierende Großunternehmen, kleinere Aufsteiger und ja, sogar eine Genossenschaft! Vorstellen möchte ich in den folgenden Abschnitten meine vier Favoriten. Diese habe ich aufgrund ihrer durchgängig überzeugenden Qualität, ihrer recht unterschiedlichen Herangehensweisen und ihrer Stilistiken ausgewählt. Doch zunächst, wie es sich bei solchen Texten gehört, möchte ich ein wenig auf Weinbau in Apulien im allgemeinen und die vorherrschenden Rebsorten eingehen.

Das es in Apulien schon sehr lange Weinbau gibt kann man sich aufgrund der geographischen Lage und den vorherrschenden klimatischen Bedingungen sehr gut vorstellen. Man geht davon aus, dass schon mit der Kolonisierung durch die Phönizier die ersten Reben gepflanzt wurden. Spätestens in der Periode der Magna Graecia ab dem 8. Jahrhundert v. u. Z. hielt mit den griechischen Siedlern der systematische Weinbau in Apulien seinen Einzug. Es ist zu vermuten, dass in dieser Periode der Geschichte Apuliens auch die wichtigste Rebsorte des Salento’s, der Negroamaro, aus Griechenland eingeführt wurde. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dem Begriff Negroamaro um eine Dopplung der Wortes „Schwarz“. Der fordere Teil „Negro“ dürfte auf das lateinische „nigra“ zurückzuführen sein. Der hintere Teil „(a)maro“, nicht wie vermutenswürdigerweise auf das italienische Wort für herb bzw. bitter „amaro“, sondern auf das griechische Wort für Schwarz „mavro“. Demnach könnte man Negroamaro mit Schwarz-Schwarz übersetzen. Und so ganz unfalsch wäre das auch nicht, da die Beeren des Negroamaro wahrlich sehr sehr dunkel, sehr kompakt und dickhäutig sind. Im Normalfall ergeben sie sehr dunkle, in-transparente und säure- reiche Weine, die nicht selten auch ein wenig an den heute noch in Griechenland bekannten Xinomarvro erinnern. Ausnahmen bestätigen, wie wir später lesen werden, natürlich auch in diesem Fall die Regeln. Heutzutage wird Negroamaro vornehmlich auf der Salento Halbinsel angebaut. Das Salento hat derzeit eine Anbaufläche von ca. 11.500 ha (Gesamtanbaufläche Apuliens sind ca. 87.500 ha). Im Salento nimmt Negroamaro die absolut dominierende Rolle ein. Er wird meist auf steinigen, sehr flachen und recht ton- sowie kalksteinreichen „Weinbergen“ kultiviert. Neben den meist etwas ernster und herber wirkenden Weinen aus Negroamaro, werde ich auch auf wenige eher zur sanft- brachialen Muskelbepacktheit neigenden Primitivos eingehen. Dessen Reben wurden wahrscheinlich ebenfalls von den Griechen, oder sogar den Phöniziern, nach Apulien gebracht und beherrschen heute den Rebsortenspiegel der Region Manduria um Taranto. Im Salento nimmt der Primitivo eine eher untergeordnete Rolle ein. Neben diesen beiden zur Erwähnung gebrachten Rebsorten werde ich im gleich folgenden Teil auf „Verschnittpartner“ wie Malvasia Nera, Montepulciano, Aleatico und Aglianico sowie Spezialitäten wie Bianco d’Alessano oder Susumaniello etwas näher eingehen.

Cantina Sociale Cupertinum in Copertino

Gegründet wurde die Winzergenossenschaft von Copertino vor genau 80 Jahren. Lange erging es
ihr wie nicht wenigen Genossenschaften in ganz Europa. Alt bekannte Probleme wie Überproduktion und damit einhergehende Qualitätsprobleme waren Herausforderungen die es anzugehen galt. Doch seit wenigen Jahren weht unter dem Vorsitz von Francesco Trono und der önologischen Beratung von Giuseppe Pizzolante Leuzzi ein neuer Wind in den altehrwürdigen Hallen der Cantina. Zur Zeit werden die Früchte der Arbeit von ca. 400 Mitgliedern, respektive 350 ha Anbaufläche, von der Winzergenossenschaft verarbeitet. Wichtig zu erwähnen ist, dass alle Weine der Co-Operative in großen Zementtanks, mit zum Teil sehr langen Lagerungsphasen (siehe Copertino Riserva und Settantacinque), ausgebaut werden. Unter anderem gerade deshalb zeigen die Weine von Cupertinum erstaunliche Klarheit bezüglich ihrer Frucht, und beschwingte Leichtigkeit, sowie Finesse was ihren Körper betrifft. Neben den beiden sehr frisch, durchweg angenehm trocken und einmal mehr einmal weniger fruchtig wirkenden Negroamaro Rosé Weinen mit den schwierigen Namen Squarciafico und Spinello dei Falconi überzeugten mich der Primitivo Salento IGT Rosso 2013, der Copertino Rosso Riserva DOC 2008 und der Settantacinque Rosso Riserva DOC 2007.

Der eher ungewöhnlich kühl und schlank wirkende Primitivo Salento IGT Rosso 2013 präsentierte sich von der Struktur her ein wenig rustikal und mit feinkantigem Tannin ausgestattet. Seine Aromen waren geprägt von leicht eingekochten Brombeeren, hochprozentiger Milchschokolade, Leder und ansprechende milder schwarzer Pfeffrigkeit. Meiner Meinung nach ein sehr solider, fast schon schlank wirkender Primitivo von dem man das einen oder andere Glas mehr trinken kann ohne an etwaige Konsequenzen am Folgetag denken zu müssen. Einfach und gut!

Beim Copertino Rosso Riserva DOC 2008 handelt es sich um einen Negroamaro mit kleinen Beimischungen an Malvasia Nera und Montepulciano. Schon seine verhalten fruchtvoll-würzige und erstaunlich elegant wirkende Nase vermochte es mich zu überzeugen. Am Gaumen zeigten sich Majoran, milder Pfeffer, ein kräftiger Hauch milder Kalbsleber, grobes Leder, etwas Zimt und wohl proportionierte Aromen von dunklen Beeren. Insbesondere seine frische und raffiniert wirkende Säure vermochte es dem Wein bemerkenswerte Eleganz und Trinkigkeit zu verleihen. Ein Stil von Negroamaro ohne heftige Tannine, ohne unbalancierte Würzigkeit, ohne Holzaromen und ohne überzogene süßlich anmutende Alkoholwerte. Einfach nur ein toller, sehr klarer, angenehm würziger, zurückhalten fruchtbetont wirkender und durchweg spassbringender Wein für einen bestechend niedrigen Preis.

Der Settantacinque Rosso Riserva 2007 aus ähnlicher Zusammensetzung zeigte sich etwas substanzreicher, konzentrierter, sicherlich etwas schmelziger, fast schon ein wenig wuchtig – ohne Anzeichen jeglicher Überzüchtung – wirkend und mit knackigen Tanninen und mild wirkenden Trockenfruchtaromen ausgestattet. Sicherlich ein etwas reichhaltigerer und gewichtigerer (keinesfalls mastiger) Negroamaro der zu herzhaftem Essen seine Qualitäten voll ausspielen kann.

Carvinea in Carovigno

Seit dem Jahr 2000 betreibt der ehemalige Porsche Vertriebsleiter für Italien Beppe di Maria das Weingut Carvinea im Nordosten der Salento Halbinsel. Mit beratender Unterstützung des umtriebigen Önologen Riccardo Cotarella sammelte er in den letzten Jahren viele Gläser des Gambero Rosso. Auf mittlerweile neun kalkdominierten Hektaren baut er hauptsächlich regionstypische Rebsorten wie Negroamaro, Primitivo und sogar Aglianico nach ökologischen Richtlinien an. Diese werden zumeist reinsortig, aber auch mit größeren Anteilen an Petit Verdot verschnitten, auf die Flasche gebracht. Insbesondere die stoffigen und substanzreichen reinsortigen Weine haben mir bei Beppe di Maria gefallen. Hier von haben für mich neben dem saftigen, konzentrierten, etwas süßlichen, aber dennoch nicht all zu warmen Primitivo Salento Rosso IGT 2013 ganz klar der Negroamaro Salento Rosso IGP 2013 und der Erstjahrgang des Ottavianello 2014 herausgestochen.

Der im kleinen Eichenholz ausgebaute Negroamaro Salento Rosso IGP 2013 überzeugte mich in erster Linie ob seiner Konzentration und seiner straff wirkenden kraftvollen Struktur ohne ein gewisse Maß an bodenständiger Finesse auszulassen. Seine Aromen waren geprägt von viel Rauch, beträchtlicher Holzprägung, saftigen super-reifen Pflaumen, prägnanter weihnachtlich anmutender zimt-dominierter Würze und von einer Spur zu hervor-schielendem Alkohol. Ein dichter, konzentrierter und schlagkräftiger Negroamaro mit viel Kraft und Länge.

Beim Premierenwein, dem Ottavianello 2014, handelt es sich um einen 100 %igen im Barrique ausgebauten Cinsault (lokale Bezeichnung Ottavianello die sich auf seine vermutlich ursprüngliche Herkunft aus der Region Neapel bzw. Ottaviano bezieht; heutzutage in Apulien sehr selten anzutreffen). Er wirkte auf mich sehr kühl, kräuterwürzig, recht kräftig von Aromen geprägt die an Granatapfel und rote Johannisbeeren erinnerten geprägt und erstaunlich finessenreich für einen süd- italienischen Rotwein. Gut hat mir gefallen das sich die für Cinsault nicht seltenen tierisch-ledrigen Komponenten in Grenzen gehalten haben. Sicherlich handelt es sich bei dem Octavianello um einen noch sehr jungen Wein von sehr jungen Reben, doch dessen sich ankündigendes Potential zeigte er jetzt schon. Ein spannender und für seine Herkunft ungewöhnlich fein wirkender Wein. Ich bin auf die Folgejahrgänge gespannt.

Cantele in Guagnano

Bei der Azienda Vinicola Cantele handelt es sich um ein noch recht junges Familienunternehmen die den langen Weg vom reinen Abfüller zum eigentlichen Weinproduzenten erst in den frühen 1990er Jahren geschafft haben. Diesen Schritt bereiteten die Brüder Augusto und Domenico vor. Heute wird das Weingut von Augusto’s Söhnen Gianni und Paolo sowie Domenico’s Kindern Luisa und Umberto (siehe Foto) gemeinsam geführt. Ab 1993 begann die Familie Weinberge in und um Guagnano zu kaufen und Trauben von anderen Weinbauern aus der Region zuzukaufen. Heute verfügt das Unternehmen neben einer modern ausgestatteten Kellerei selbst über ca. 50 ha Rebfläche. Von weiteren 150 ha werden Trauben zugekauft. Im Schnitt werden jedes Jahr ca. 1,6 Mio. Flaschen bei Cantele produziert. Wenn man diese Zahlen betrachtet kann man schon sehen, dass es sich ganz sicher um keinen kleinen Familienbetrieb handelt. Da bei manchem Weinfreund stets eine gewisse Reserviertheit gegenüber großen Weinproduzenten mitschwingt, welche ich ausdrücklich auch bei mir nicht ausschließen möchte, hat es mich um so mehr überrascht was für ausgewogene, grundsolide und feine Weine bei Cantele hergestellt werden. Hier gefielen mir besonders der sehr frische und weit von jeglicher Kitschigkeit befindliche Rohesia Negroamaro Rosé aus dem Jahr 2014. Doch meine Favoriten waren der Klassiker aus der DOC Salice Salentino 2011, der etwas moderner und runder wirkende Teresamanara Negroamaro Salento IGT 2012 und der überraschend elegant wirkende Primitivo Fanòi Salento IGT 2010.

Der sechs Monate in mehrfach belegten Barriquefässern gereifte 100 % ige Negroamaro Salice Salentino DOC 2011 zeigte viel Substanz, eine gewisse – recht attraktive – Wildheit und leicht ätherische Kühle. In der Nase wirkte er rauchig, ausgesprochen schwarz-pfeffrig, geprägt von dunklen Beerenfrüchten, Minze und einer erwähnenswerten Note die mich an Trockenfleisch erinnerte. Am Gaumen zeigte er viel wohl dosierte und ernsthaft wirkende Kraft und ein gehöriges Maß an sehr passender frischer Säure. Die Aromen wurden geprägt von kraftvollen, noch sehr jugendlich schüchternen, und sehr kühl wirkenden dunklen Fruchtaromen, viel schwarzem Pfeffer und einer durchaus passenden Spur an kühl-ätherischer Alkoholprägung (bei nur 13 %). Sein Tannin zeigte sich, vergleichsweise zu anderen Weinen aus Negroamaro, etwas dezenter. Doch „Dampf unter dem Kessel“ und Potential waren auch hier unzweifelhaft vorhanden. Ein etwas modern wirkender und doch charaktervoller Negroamaro mit einigem an Entwicklungspotential für die nächsten Jahre.

Der reinsortige Negroamaro Teresamanara Salento IGT 2012 aus Trauben die mit regionaltypischer Alberello-Buschweinerziehung kultiviert wurden, durchlief nach der bis zu 15 Tage andauernden Maischestandzeit eine zwölfmonatige Reifung in französischen Barriquefässern. Seine Nase beeindruckte mich mit sehr angenehm wirkenden Aromen die an schwarze Oliven erinnerten. Dazu gesellten sich saftige und nicht zu warm wirkende Aromen von Brombeeren und einer Spur Kardamom. Insgesamt gesehen zeigte sich ein erstaunlich elegant wirkender Naseneindruck bei dem die sich relativ stark auswirkenden, aber dennoch schon etwas eingebunden wirkenden, Eichenholzaromen weiter nicht störten. Am Gaumen zeigte sich der Teresamanara einiges weicher, zivilisierter und feiner als der Salice Salentino. Auch seinen Fruchtaromen tendierten mehr zu einer saftigen nicht überbordenden Blaubeer-Brombeerprägung mit feiner Zimt- Kardamom-Vanille Untermalung. Interessanterweise wirkte bei diesem Negroamaro das Tannin noch etwas straffer und härter. Für mich sicherlich einer der besten, substanzreichsten, zugegeben recht modern und „international“ wirkenden, Negroamaro den ich auf meiner Reise durch Apulien probieren durfte.

Zum Abschluss möchte ich noch den Primitivo Fanòi Salento IGT 2010 aus der Region um Sava erwähnen, der nicht ganz ohne Grund in einer Burgunderflasche abgefüllt wurde. Auch er stammt aus Reben die in Alberello-Erziehung kultiviert wurden. Ausgebaut wurde der Wein für 14 Monate in mehrheitlich französischen Barriques (hauptsächlich Zweit- und Drittbelegung). Dieser wirkte für einen Primitivo ungemein feminin, verführerisch, gar nicht so füllig, sehr weich und komplett verschont von aggressivem Tannin oder exzessivem Alkoholgeschmack (bei 14,5 %). Seine Aromen waren geprägt von saftigen Sauerkirschen, Orangen, nicht zu verschweigendem Eisen, sicherlich so Einiges an Vanille, sehr angenehm wirkendem Rauch und feiner Würzigkeit mit einer hervorhebenswerten Spur an markant wirkendem Lorbeer. Ein sehr erstaunlicher und elegant wirkender Primitivo von sehr überzeugender Qualität.

Apollonio Casa Vinicola in Monteroni di Lecce

Bei Apollonio handelt es sich um ein traditionsreiches Weingut das seit 1995 von den Brüdern Marcello und Massimiliano Apollonio in der vierten Generation geführt wird. Marcello (siehe Foto links) ist für den Vertrieb zuständig. Massimiliano (siehe Foto rechts) kümmert sich als studierter Önologe um die Weinberge und den Keller. Die Produktpalette bei Apollonio unterteilt sich in zwei Produktlinien. Die eher schnell zu konsumierenden Weine der Elfo Linie werden sowohl in Edelstahl vergoren als auch ausgebaut.Die Weine dieser Linie werden jedes Jahr produziert. Die reife-bedürftigen Weine der Apollonio Linie werden nicht jedes Jahr produziert. In wirklich schwachen Jahren wird das gesamte Traubengut für die Weine der Elfo Linie verwendet. Alle Weine der Apollonio Linie werden in großen Cuves aus slawonischer Eiche vergoren und anschließen unterschiedlich lange (bei einem Wein, dem Vigna Vitrilli Grande bis zu 72 Monate) in Barriquefässern verschiedener Herkunft und Holzart ausgebaut. Zu meiner Freude wartete das Weingut mit einer ganzen Reihe von zum teil eher interessanten und zum teil recht sehr spannenden Weinen auf. Neben den sehr knackig und frisch wirkenden Weinen aus den seltenen autochtonen Rebsorten Bianco d’Alessano (unbekannte Herkunft, erst um 1870 das erste mal in der Region Murge Martinesi zur Erwähung gebracht) und Susumaniello (wahrscheinlich ursprünglich aus Dalamtien eingeführt; zeigt genetische Verwandtschaft zu Sangiovese; wird heute meist als frischer Verschnittpartner verwendet) der Basislinie Elfo, konnten mich ein im Akazienholz ausgebauter Negroamaro Rosato namens Fanali 2013, der Primitivo Terragnolo 2011, der Divoto Copertino Riserva DOC 2011 und der recht ungewöhnliche Passito Salento Rosso IGT Mater Terra 2007 aus Kirschholzausbau überzeugen.
Der sehr helle, leicht ins grünliche abgleitende und frisch wirkende Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Bianco d’Alessano 2014 der Elfo Linie wurde wie alle Weine dieser Linien im Edelstahl vergoren und gereift. Seine Nase war sehr von „grünen“ Aromen wie Kaktus und Gras geprägt.

Auch eine leicht Note von weißen Blüten war zu riechen. Am Gaumen wirkte er zwar ein klein wenig süß, aber dafür auch frisch und schlank mit einem durchgängig filigran anmutenden Aromenspektrum. Für mich ein unkomplizierter und solider Sommerwein aus einer mir bis dato unbekannten Rebsorte.

Der Susumaniello 2014, welcher ebenfalls aus der Elfo Linie stammt, machte auf mich einen transparenten und super vitalen Eindruck violett-karminroter Prägung. Seine Nase war sehr würzig, auch rauchig, ungemein fruchtbetont (dunkle Johannisbeeren mit feiner zitroniger Unterstützung) und alles in allem sehr kühl. Am Gaumen zeigte sich ein überraschend guter Biss für einen eher leichten, quirligen und fruchtorientierten Wein. Daneben zeigte er eine tolle Frische, viel von der schon erwähnten Frucht und eine prägnante Rauchigkeit. Sicherlich eher ein Wein für den zeitnahen Konsum an heißen Tagen, da er sich sehr gut gekühlt trinken lässt. Da es ihm an Eigenständigkeit sicher nicht mangelte, stellte er meiner Meinung nach eine recht spannende Abwechslung dar.

Der Fanali Negroamaro Rosato aus 2013 stammt von alten Buschweinen in Salento. Nach der Fermentation wurde er für 12 Monate in kleinen Akazienholzfässern ausgebaut. Wie es nicht weiter verwundern mag, wirkte sich diese nicht ganz alltägliche Ausbauart bei Roséweinen auf das Gesamtbild der Weines aus. Seine Farbe zeigte sich Orange-Rot schimmernd. Ja, vielleicht sogar leicht Bernsteinfarben. Die Nase war recht verschlossen und zeigte neben Holz- und Vanillearomen nur sehr versteckte Fruchtaromen. Am Gaumen jedoch, zeigte sich neben den typischen Holzaromen eine sehr eigene und prägnante schwer zu beschreibende Kräuterigkeit und satte Aromen von Blutorangen. Von der Struktur her wirkte er sehr kraftvoll und fast ein wenig gewichtig. Ein ungewöhnlicher, und trotz (oder wegen) seiner unkonventionellen Machart, verblüffend interessanter Wein der ganz sicher seine Liebhaber hat und finden wird.

Der Primitivo Terragnolo 2011 stammt von ca. 50 Jahre alten Buschweinen, wurde bis zu 40 Tage in slawonischer Eiche vergoren und anschließend für 12 Monate in amerikanischer Eiche ausgebaut. Farblich war beim Terragnolo aufgrund seiner tief violett-schwarzen Färbung kaum eine Durchsicht gewährleistet. In der Nase dominierten neben einer kräftigen, leicht süßlich wirkenden, Holzprägung, Aromen die mich an eher herbe Brombeermarmelade, dunkle Schokomousse, etwas Wild und winterliche Gewürze erinnerten. Am Gaumen überraschten mich die verhältnismäßig sanft-prägnanten Tannine und seine saftige Fruchtigkeit bei nicht all zu intensiver Untermalung von typisch amerikanischen Eichenholzaromen. Des weiteren zeigte sich eine zünftige schwarze Pfeffrigkeit, Aromen von Nelken, dunkle Schokolade und glücklicherweise nur eine leicht alkoholisch-schmelzigen Süße. Ein gewichtiger Wein ohne mastig oder zu wärmend zu wirken.

Der Divoto Copertino Rosso Riserva DOC 2011 aus 70 % Negroamaro und 30 % Montepulicano wurde wie die meisten Apollonio Weine in großen slawonischen Eichen Cuves vergoren und danach für 24 Monate in französischen Barriques ausgebaut. Farblich präsentierte er sich nicht so dunkel und undurchdringbar wie vorab vermutet. Dunkles Granatrot mit vitalen Reflexen dürfte eine passende Beschreibung sein. In der Nase kam mir ein warmer Duft von sommerlichen reifen Früchten wie Brombeeren, vielleicht sogar Pflaumen und roten Johannisbeeren entgegen. Dazu integrierten sich Aromen von Kaffee, dunkler Schokolade, würziger Pfeffergewürzmischung und eher zur Feinheit tendierenden Vanille auf ansprechende Weise in das vielschichtige Nasenbild. Am Gaumen zeigte sich, was die eigentlichen Aromen betraf, ein sehr ähnlicher Eindruck. Was mich verwundert hat, war seine, im Vergleich zu den anderen Weinen aus der Apollonio Linie, erstaunliche „Leichtigkeit“ und Frische, die er gekonnte vermittelte. Natürlich war auch der Copertino ein kraftvoller und gewichtiger Wein. Doch er vermochte es mehr Raffinesse und entschieden weniger Wärme und Holz auszustrahlen. Meiner Ansicht nach der vielschichtigste, längste und harmonischste Wein von Apollonio.

Zum Abschluss möchte ich noch einen richtig süßen, kraftvollen und sehr eigenständig wirkende Negroamaro Passito Wein von mittelalten Alberello Rebstöcken (ca. 20 Jahre)erwähnen. Die Trauben für den Passito Salento Rosso IGT Mater Terra 2007 wurden am Stock getrocknet, für ca. 45 Tage in slawonischer Eiche vergoren und anschließend für zwölf Monate in Kirschholz- Barriques ausgebaut. Wie in der Nase, als auch am Gaumen, machte der Passito einen sehr konzentrierten, dicken und gewichtigen Eindruck auf mich. Er zeigte viel Aromen die an Oma’s Brombeermarmelade, eukalyptischen Kinderhustenbonons, viele sehr reife Kirscharomen, dickflüssige Schokosoße, etwas Lakritze und milder Peffrigkeit erinnerten. Die sehr vitale Säure des Passitos vermochte es den Wein mit einer gewissen Vitalität und Frische zu unterstützen. Für mich ein erstaunlich stimmiger Wein mit beeindruckendem super-sanften „Mouth-Feel“ und erwähnenswerter Länge. Ganz sicher etwas für experimentierfreudige Süßweintrinker.

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~ von budisfoodblog - Oktober 27, 2015.

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