Montepulciano d’Abruzzo Teil 1: Anteprima 2016 in Chieti


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Gastartikel von C. Strauss

Dank einer Einladung zur diesjährigen Anteprima Montepulciano d’Abruzzo konnte ich mir einen sehr guten Überblick über Weine aus der autochtonen Rebsorte Montepulciano verschaffen. Weine, die es sonst auf meine To-Drink Liste eher seltener schaffen. Wer schon öfters mal ein Glas Montepulciano zu sich genommen hat, weiß, das viele dieser Weine zu viel Kraft, erstaunlich viel Extrakt und öfters auch zu recht ungestüm harten Tannin neigen. Die mag mag eine Erklärung sein, warum Montepulciano es bei mir eher schwer hatte. Das Montepulciano auch ganz anders kann werden wir im Verlauf meines kleinen Verkostungsberichtes noch sehen können. Zunächst aber zu einigen allgemeinen Informationen über Montepulciano.

Die eigentliche Herkunft von Montepulciano ist nicht eindeutig geklärt. Manche Quelle gehen zwar davon aus das er ursprünglich aus der gleichnamigen Stadt in der Toskana stammt. Doch diese Annahme ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Auch eine mögliche Verwandtschaft zu Sangiovese ist gleichermaßen ungeklärt und zum teil sogar heftig umstritten. Eines ist sicher. Heute wird in der noblen Region um das toskanische Montepulciano kein Montepulciano mehr angebaut. Am meisten verbreitet ist er heutzutage in der zentralitalienischen Provinz Abruzzen. Belegt ist seine dortige Anwesenheit aber erst ab dem 18. Jahrhundert. Zudem ist erwähnenswert, dass erst ab den 1950iger Jahren die heute so begehrten und stark kultivierten Hügellagen (bis auf eine Höhe von 500 m bzw. 600 m bei Südausrichtung) zwischen Adria und Hochgebirge so richtig in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen konnten. In dieser Zone zwischen See und Bergen herrscht ein eher gemäßigtes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 12° C vor. Die verbreitetsten Bodenformationen in dieser Region sind sowohl sandig als auch stark tonhaltig. In Abruzzen wird Montepulciano auf insgesamt ca. 19000 ha angebaut. Mittlerweile gibt es für Weine aus Montepulciano fünf DOC und eine DOCG. Darüber hinaus mit Cerasuolo d’Abruzzo auch eine DOC für Rosé aus welcher nicht selten ziemlich anspruchsvolle und charakterstarke Roséweine hervorgehen.

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Am letzten Juniwochenende stellten im Archäologischen Museum La Civtella in Chieti über 35 Weingüter ihre unterschiedlichen Montepulcianos des Jahrgangs 2013 vor. Der Jahrgang 2013 in den Abruzzen zeichnete sich durch unterdurchschnittlich niedere Temperaturen und teilweise recht kräftige Regenfälle die bis in den Juni hineinreichten aus. Im Schnitt verzögerte sich die Ernte im Jahr 2013, verglichen mit anderen Jahren, um 10 bis 15 Tage. Dieser durchschnittlich etwas kühlere Jahrgang machte sich auch bei vielen der verkosteten Weine bemerkbar. Die Alkoholwerte zeigten sich oft etwas niederer und die Balance zwischen Säure und pH Werten zeigte sich fast durchgängig wesentlich ausgeglichener. Insgesamt wirken viele 2013er oft wesentlich fruchtbetonter, weniger reichhaltig und ebenfalls weniger vor Kraft strotzend wie es in heißeren Jahren, welche auch in Abruzzen mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme sind, der Fall ist.

Auf meine zwölf Favoriten der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo 2016 möchte ich nun etwas näher eingehen. Bei der Verkostung habe ich mich hauptsächlich auf die Flaggschiffe bzw. Riserva Weine der einzelnen Weingüter konzentriert. Alle Weine stammten von Reben die in klassifizierten DOC Gebieten, bzw. einem aus dem DOCG Gebiet Colline Teramane, kultiviert wurden. Ebenfalls stammten alle Weine, bis wiederum auf einen – den selben, aus dem Jahrgang 2013. Da sich während der Verkostung viele unterschiedliche Stilistiken gezeigt haben, möchte ich um in meiner kleinen Aufstellung ein wenig Struktur zu verleihen, die Weine in drei grobe Kategorien einteilen. Beginnen möchte ich mit den helleren, insgesamt durchgängig leichter wirkenden, weniger extrahierten, kühleren und teilweise fast schon etwas elegant wirkenden Montepulciano d’Abruzzo. Sozusagen die Weine, die eher gen relativer „Leichtigkeit“ tendierten.

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Als erstes ist mir der La Riserva del Vicario Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von Vini Mastrangelo aufgefallen. Farblich zeigte dieser ein ganz leicht matt wirkendes Granatrot mit erstaunlich viel Transparenz. Seine Nase wirkte sehr frisch, recht elegant, ein wenig verspielt und dennoch sehr zurückgefahren und keinesfalls angeberisch. Am Gaumen zeigte er sich sehr leichtfüßig, fein strukturiert und für ein Montepulciano Riserva erwähnenswert schlank. Seine durch eine sehr lebendige Säure gestützte Frische und sein viel versprechendes leicht kantiges Tannin sollte ich nicht unterschlagen. Von Seiten der Aromen zeigten sich feine und mehrheitlich kühl wirkende Schwarzkirschen, trockene braune Erde, feine Noten von Karamell und sogar ein Hauch an Lakritze. Seine kräuterige Prägung erschien mir bis dato etwas schwach ausgeprägt. Insgesamt ein wohl abgestimmter und fein-strukturierter Montepulciano wie man ihn nicht all zu oft auffinden dürfte.

Ein weiterer eher zu Leichtigkeit neigender Wein war Il Feuduccio’s Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013. Dieser zeigte sich noch transparenter, sehr strahlend und rein farblich gesehen von einem klassischen Rubinrot geprägt. Seine Nase wirkte sehr schlank, ziemlich kühl, angenehm würzig, leicht erdig, sehr präzise, entschlossen ausdrucksstark und von weihnachtlichen Aromen wie Zimt, Marzipan, dazu etwas Blut und Eisen sowie von alkoholarm eingelegten Kirschen mit einer gewisse Zugabe an Waldbeeren geprägt. Am Gaumen wirkte er in der Tat bestechend elegant, kühl, sehr würzig, trotz seiner Schlankheit recht intensiv, ganz sicher dicht und mehrheitlich eher von helleren roten Beeren geprägt. Seine Säure zeigte bestechende Qualitäten. Ähnlich zeigte sich das prägnante, aber nicht an Härte und Gewaltigkeit überbordende knackige Tannin. Ein sehr vielversprechender Wein der auch jetzt schon seine guten Qualitäten hinsichtlich Trinktfreude zeigen kann.

Auch Azienda Vinicola Torre Zambra’s Montepulciano d’Abruzzo Riserva DOC 2013 (Fassprobe) gehörte zu den eher gen Leichtigkeit und Eleganz tendierenden Montepulciano d’Abruzzo. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern zeigte sich dieser einiges opaquer und stärker gen rotem Lila gehend. Sehr strahlend und lebendig wirkte auch er. In der Nase präsentierte er sich zwar ebenfalls recht kühl und schlank, doch was Rauchigkeit und gewisse Fassprägung (trotz Ähnlichkeit beim Ausbau) betrifft, mangelte es ihm weniger. Auch seine schwarzbeerige Frucht war wesentlich intensiver. Am Gaumen wirkte er überraschend schlank, kühl und gewichtig animierend. Keinesfalls brecherisch oder dicklich. Auch hier zeigte sich seine stärkere und kühle Rauchigkeit und die schon erwähnten schwarze Beerenfrucht. Insgesamt wirkte er ein wenig einfach gestrickt und präsentierte sich verständlicherweise noch etwas nervös und unausgeglichen. Doch sein durchaus ansprechendes Potential kündigte diese Fassprobe schon mal an.

Der Eikos Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von Cantina Agriverde war ebenfalls wesentlich dunkler und ärmer an Transparenz. Weniger ins Lila und mehr gen dunklem Schwedenrot gehend. Seine Nase wirkte angenehm zurückgefahren, fast schon ein wenig schüchtern und mit fein abgestimmter mediterran anmutender Würze ausgestattet. Am Gaumen fiel mir als erstes seine sehr lebendige und verspielte Säure auf. Insgesamt wirkte er wie die anderen schlank und recht kühl. Raffinesse und Eleganz waren bei ihm sicherlich nicht ganz so ausgeprägt. Seine Stärken lagen eher im Bereich seiner sich jetzt schon ankündigenden Ausgeglichenheit hinsichtlich Würze und dunkelbeeriger Frucht, seiner ansprechenden bescheidenen und zugleich überzeugenden Struktur und seiner respektabler Länge im Abgang. Ein unkomplizierter Wein der in nicht all zu ferner Zukunft schon Spaß machen dürfte.
Bei dem letzten Wein, den ich in die Kategorie „Leichtigkeit“ einordnen möchte, handelt es sich um den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 von der Tenuta I Fauri in Chieti. Farblich zeigte dieser ein eindeutiges Granatrot inklusive eines einhüllenden, leicht trüb wirkenden, Schleiers. Auch er wirkte eher kühl und schlank. Vielleicht nicht ganz so offensichtlich wie die vorherigen. Auffällig war bei diesem seine recht intensive Würzigkeit von frisch geschnittenem Liebstöckel, hellbrauner Erde und einem Hauch von Trockenfleisch. Am Gaumen zeigte er sich schlank, nicht ganz so kühl, wesentlich weicher, samtiger und vielleicht schon etwas sehr schmeichlerisch (inkl. relativ mildem Tanningerüst) für einen jungen Montepulciano. Seine samtige rotbeerige Frucht konnte mich mehrheitlich schon überzeugen. Die Würzigkeit, welche sich in der Nase ankündigte, setzte sich nicht im gleichen Maße am Gaumen fort. Hier wirkte sie einiges flacher und fast schon ein klein wenig verwaschen. Alles in allem ein dennoch gelungener und stimmiger Wein der in den nächsten Jahren Freude bringen dürfte.

Um einen harten Schnitt nicht verlegen, komme ich nun zu den nächsten drei Weinen. Diese möchte ich mit dem Begriff „Volumen“ in Verbindung bringen. Alle drei Weine zeigten mehrheitlich kräftige Mengen an hartem Tannin, viel aufgepumpte Muskeln, waren gehörig extrahiert – und sicherlich auch ein wenig exaltiert, zeigten teilweise viel Alkohol, auch reichlich Eichenholz, aber auch enorme Dichte und überzeugende Komplexität. Da es sich bei allen drei Weinen um Fassproben handelte, dürfte dieser Umstand auch ein wenig zu meinen voluminösen Eindrücken geführt haben.

Der Montepulciano d’Abruzzo Inferi Riserva DOC 2013 (Fassprobe) von Vini Marramiero zeigte viel an Glanz und eine intensive dunkle gen Lila strebende Farbsättigung. Seine auffällige Viskosität war ebenfalls bemerkenswert. In der Nase zeigten sich kräftige Aromen die mich an Kakaopulver, mildem Tabak, Schwarzkirschen, Eichenholz und pfeffrige grüne Würze erinnerten. Alles sehr selbstsicher, auftrumpfend und um keinerlei Verlegenheit bemüht. Am Gaumen wirkte er ebenfalls sehr kraftvoll, vollmundig im klassischsten Sinne, sehr fruchtlastig ohne marmeladig zu wirken und äußerst saftgetrieben. Seine eigentliche Aromen zeigten sich deckungsgleich zur Nase. Sein Tanningerüst war nicht das extremste hinsichtlich der bei Montepulciano möglichen Härte. Eigentlich wirkte er relativ weich für einen Wein aus seiner Gewichtsklasse. Insgesamt sicherlich nicht der komplexeste Wein. Tendenziell zeigte er sich aber recht ausgewogen auf kräftig- konzentriertem Niveau ohne zu viel Holzaromen oder Alkohol-Süße verströmen zu wollen. Für Freunde kräftiger Weine ein sicherlich leicht zugänglicher und durchaus trinkanimierend Tropfen.

Cantina Tollo’s Flagschiff Cagiòlo Montepulciano d’Abruzzo Riserva DOP 2013 (Fassprobe) war ebenfalls von enormer Farbsättigung gen Lila geprägt. Hier war Transparenz nur noch vermutbar. Seine Nase war mächtig, dicht, schwer, von warmer schwarzbeeriger Frucht, einigen blumigen Heidekräutern und kräftigen Eichenholz getragen. Die 24 Monate in neuer slawonischer Eiche waren durchgehend spürbar. Doch die Substanz des Weines konnte mit dieser Holzprägung am Gaumen recht gut umgehen. Hier zeigte der Wein seinen Bombenextrakt, sein sehr kantiges und expressiv hartes Tannin, sein enormes Gewicht gepaart mit unbändiger Kraft und eine sehr respektable Dichte und Länge. Seine recht scharf wirkende Würze und die noch eben so gebändigt wirkende Fruchtfülle passte auch ins Gesamtbild. Ich muss zugeben das diese Schwere und „Gewaltigkeit“ nicht ganz meiner Präferenz entspricht. Doch umgesetzt wurde diese Stilistik beim Cagiòlo auf sehr stimmige Weise!
Ein ebenfalls erwähnenswerter „Voluminöser“ Montepulciano kam von der Cantina Dora Sarchese. Sein Name: Rosso di Macchia Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 (Fassprobe). Auch hier herrschten intensive Farbdichte und lila Farbsättigung vor. In der Nase zeigten sich mir Aromen von eher zurückhaltender schwarzbeeriger Frucht, Piment, etwas undefinierbar Balsamisches, Rauchfleisch, wenig herkömmliche Holznoten und etwas sehr Parfümiges, das mich an Moschus erinnerte. Ein insgesamt sehr komplexes und doch recht exaltiertes Nasenspiel. Am Gaumen wirkte er von Seiten seiner eigentlichen Aromen noch sehr zurückgezogen und verschlossen. Seine bemerkenswerte Säure und sein gewaltig firmes Tannin hinterließen bei mir Eindruck. Auch er wirkt sehr reich an Extrakt und Konzentration. Dazu aber auch recht fleischig. Ein dezidiertes Schwergewicht mit bestechendem Potential. Im Moment noch sehr verschlossen und adoleszent.

Meine vier letzten Favoriten der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo möchte ich gerne mit dem bedeutungsüberladenen und viel zu oft genutzten Begriff des „mittlerer Weg“ umschreiben. In diesen Weinen sah ich sowohl Kraft, Konzentration, Komplexität, kernige Würze und fleischige Frucht als auch Raffinesse, Mut zur Zurückhaltung, überzeugende Frische und verhaltene Extraktion.

Der Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 der Cantina Bottari zeigte sich fast so hell wie die meisten von „Leichtigkeit“ geprägten Weine. Viel Transparenz und mehr Rubin- als Granatrot. In der Nase dominierten reife und ganz leicht angewärmte helle Beeren. Insbesondere das ergänzende Aroma von Erdbeeren ist mir aufgefallen. Recht ungewöhnlich bei einem Montepulciano. Am Gaumen konnte der Wein mehr Komplexität und momentane Präsenz zeigen. Neben hellen roten Beeren zeigten sich Aromen von Marzipan, Zimt, süßlichem Blut und mediterranen Kräutern. Von seiner Struktur her war er schon einiges barocker als es die schlank wirkende Nase anzukündigen versuchte. Auch Tannin und Säure wirkten eher etwas milder und weicher. Zweifelsohne einer der interessantesten Montepulciano d’Abruzzo auf der Anteprima 2016.

Cantina Frentana’s Rubesto Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 zeigte ebenfalls gewisse Transparenz. Nur rein farblich gesehen wirkte er etwas ungewöhnlich, da diese fast schon ein wenig ins Rotbraune abgleitete. In der Nase zeigte er viel weiche und warm erscheinende Kraft von Pflaumen, dunklen Beeren, hellbrauner Erde und leicht staubiger Milchschokolade. Insgesamt wirkte der Wein für sein jugendliches Alter schon sehr geschliffen, weich und in sich ruhend. So auch am Gaumen. Von einer harten Tanninattacke, wie man sie bei einem solchen Namen wie Rubesto erwarten könnte, war er meilenweit entfernt. Von seinen Aromen her zeigte er ein ähnliche Attribute wie die Nase. Für mich ein sehr solider, ausgeglichener, vielleicht etwas glatt wirkender und insgesamt eher unkomplizierter Montepulciano.

Sehr auffällig, schon alleine aufgrund des älteren – aber momentan aktuellen – Jahrgangs und seiner Herkunft aus der nördlichsten Ecke von Abruzzen, war Stefania Pepe’s Pepe Nero Montepulciano d’Abruzzo DOCG 2006. Dieser präsentierte sich ins Lila gehend, dunkel, undurchsichtig und wunderbar strahlend. In der Nase wirkte er immer noch ungemein jugendlich und verhalten. Viel dunkle Erde, feine Kräuter und schwarze Beeren die nur vor Frische strotzten machten sein Nasenspiel aus! Am Gaumen zeigte sich enorm viel Frische, wohl abgestimmte Intensität, feine Kantigkeit, kräftige mit getrockneten Kirschen und Holunder vermischte dunkelbeerige Frucht und hintergründige Würze von Blut, Salz – ja wirklich – und Erde. Mit viel Stoffigkeit, Dichte, Komplexität, Länge und auch jetzt schon ansprechender jugendlicher Balance konnte der Pepe Nero auftrumpfen. Einer weitergehende und sicherlich freudvollen Entwicklung in den kommenden Jahre dürfte nichts im Wege stehen. Großartig!


Als letzten Montepulciano d’Abruzzo möchte ich Speranza Vini’s Impeto Montepulciano d’Abruzzo DOC 2013 erwähnen. Farblich war dieser wieder etwas heller, aber nicht ganz so von glänzender Strahlkraft verwöhnt. In der Nase wirkte er sehr präzise, klar und durchaus kühl. Seine ausgewogen abgestimmte dunkelbeerige Frucht stand nicht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Momentan waren Düfte die mich an Heublumen, braune Erde, etwas Eisen und feinen Rauch erinnerten etwas ausgeprägter. Am Gaumen zeigte sich eine ansprechend gelungene Kombination aus fein wirkender dunkelbeeriger Frucht, einer sehr charaktervollen Würze und einer vortrefflich ergänzenden sowie wunderbar frisch wirkenden Säure. Sein Tanningerüst zeigte sich robust und kernig, aber keinesfalls übermäßig hart oder abweisend. Meiner Ansicht nach eine sehr stimmige Ausarbeitung von mit Kraft gepaarter Leichtigkeit. Nichts kam wirklich zu kurz, und nichts schob sich all zu sehr in den Vordergrund. Sehr schön!

Nicht nur Speranza’s Impeto Montepulciano konnte mich überzeugen. Auch die Weissweine dieses nur knapp 6 ha kleinen und nach biologischen Richtlinien bewirtschafteten Weinguts in Rosciano (Pescara) konnten mit Qualität punkten. Da wäre zum Beispiel der Impeto Trebbiano d’Abruzzo DOC 2015. Dieser hatte eine bestechend blumige und fein strukturierte Nase. Am Gaumen zeigte er für einen Trebbiano von eher schweren Sandböden eine ungewöhnlich feine Struktur mit expressiven weissfruchtigen Aromen und eine erstaunlich gute Säure. Sogar der erste Jahrgang des Luli Pecorino 2015 zeigte ansprechendes Potential. Auch hier war die Handschrift von Edoardo Speranza ganz klar ersichtlich. Nichts Aufgesetztes, nichts Angeberisches, eine feine Struktur, viel Frische und eher hintergründige Frucht. Ein spannender Pecorino! Wenn wir gerade beim Wort spannend sind. Auf den Rosé Così È Colline Pescaresi Rosato IGT 2015 aus 100% Montepulciano dürfte dieses Attribut erst recht zutreffen. Im Vergleich zu den anderen Weinen von Speranza wirkte die Handschrift hier etwas wilder und ungezügelter. Der Grund dafür dürfte in seiner Vinifikation begründet sein. Ein Natural Wine!

Glücklicherweise handelte es sich bei diesem um einen Natural Wine fern jeglicher Tendenz hin zur Mostigkeit oder Überoxigenierung. Seine sehr frisch wirkende und fein abgestimmte helle Beerenfrucht, seine sehr charaktervolle Würze, seine Klarheit und seine mich im besonderen Maße erfreuende entschlossene Trockenheit empfand ich sehr bemerkenswert. So kann sogar mir Rosé Spaß machen!

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In Teil 2 meines kleinen Verkostungsberichts möchte ich mich ganz auf einen wahrlich erinnerungswürdigen Ausflug zum Weingut von Emidio Pepe konzentrieren. Also bis in ein paar Wochen!

~ von budisfoodblog - August 8, 2016.

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