Montepulciano d’Abruzzo Teil 2: Zu Gast bei Emidio Pepe


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Gastartikel von C. Strauss

Um von der Anteprima Montepulciano d’Abruzzo in Chieti zu einem der Leuchttürme der Weinbauregion Abruzzen zu gelangen, bedurfte es schon ein wenig mehr Durchhaltevermögen. Da war der dichte Urlaubsverkehr auf der Autostrada A 14 zu Beginn noch harmlos. Abgefahren in Teramo ging es für eine gefühlte halbe Ewigkeit auf kurvigen Landstraßen über Stock und Stein. Die am Fenster vorbeiziehende hügelig-pittoresk Schönheit der Landschaft zwischen Gran Sasso und Maiella half die kaum vorhandene Federung des Minibusses etwas auszublenden. Angekommen, und von der bewegten Fahrt ein wenig benommen, empfing uns sogleich die junge Chiara De Iulis Pepe, Enkelin von Emidio Pepe, auf der riesigen und einladend schön angelegten Terrasse des Weinguts. In eloquent gestikulierender Manier erzählte sie uns zur Beginn der Führung die Geschichte vom Anfang des Weinguts, als ihr Großvater im Jahr 1964 begann aus regionaltypischen Rebsorten wie Montepulciano und Trebbiano reinsortige Weine zu produzieren. Schon damals bevorzugte Emidio Pepe die klassische Pergola als Erziehungsmethode, die in dieser Zeit in Abruzzen nicht mehr all zu oft praktiziert wurde. Auch die eigentliche Arbeit im Weinberg läuft schon seit den 1960er Jahren unverändert nach biodynamischen Richtlinien ab. Wobei erst seit 2006 in zertifizierter Form.

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Direkt unterhalb der schon erwähnten Terrasse befindet sich das Herzstück des Weinguts: Der Keller. Im Keller angekommen machte uns Chiara auf das offensichtliche, aber von mir nicht sofort bemerkte, aufmerksam. Holz hat es im Keller von Emidio Pepe schwer. Abgesehen von den unterschiedlichen Presszubern (Weißweine per Fuss und der Rotwein per ungewöhnlicher Handpressung und Korbpresse, siehe Fotos), ist Holz im Keller von Pepe nicht aufzufinden. Alle Weine werden in mit Glas ausgekleideten Zementtanks vergoren und ausgebaut. Zielsetzung dabei ist es die pure und unverfälschte Ausdruckskraft der jeweiligen Rebsorte auf die Flasche zu bringen. Im Schnitt wird der Rotwein aus Montepulciano für 2 Jahre im Zement gereift. Der Trebbiano und der Pecorino für ca. 1 Jahr. Was das Thema der Schwefelung angeht, berichtete uns Chiara, dass je nach Jahrgang und Wein geschwefelt wird. Dies aber nur sehr moderat und so wenig wie absolut nötig (bis max. 40 mg/l). Da mir dieses oft kontrovers diskutierte Thema im allgemeinen nicht so am Herzen liegt, wendete ich mich für einen kurzen Moment von unserer kompetenten Führerin ab um einige Fotos vom Keller zu machen. Da sah ich auf einmal im Hintergrund einen sommerlich- leger gekleideten älteren Herrn mit Mütze zwischen den Betontanks vorbeihuschen. Einen Herrn der mir von so manchen Fotografien aus der einschlägigen internationalen Weinpresse bekannt war. Mir war fast so, als ob er selbst der Führung durch seinen Keller ein wenig lauschte.

Bevor es ans Verkosten einiger Weine ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum eigentlichen Eye-Catcher des Weinguts: dem Flaschenlager. Hier lagern abertausende Flaschen, die bis in die Anfangszeit des Weinguts in der Mitte der 1960er Jahre zurückreichen. Dort, die überwältigenden Eindrücke der schieren Anzahl von Flaschen und deren einzigartigen Präsentation verarbeitend, begrüßte uns nun schließlich Emidio Pepe selbst auch ganz offiziell. Wenn ich behaupten würde das der mittlerweile 84 jährige auf mich einen noch rüstigen und recht wachen Eindruck machte, wäre das wohl eine glatte Untertreibung. Ich denke das Foto spricht für sich selbst.

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Mit unseren beiden Gastgebern die Treppe zur Terrasse wieder emporgestiegen, ging es nun in den beeindruckend großen Verkostungssaal zu einer wahrlichen Zelebrierung der Degustation. Zelebrierung deswegen, weil die Präsentation kaum durchdachter und andächtiger hätte ablaufen können. Die Spannung im Raum war mit Händen zu Greifen. Den Beginn machte der Trebbiano d’Abruzzo DOC 2013. Sein ganz leicht grün schimmerndes intensives Gelb überraschte mich ein wenig ob seiner satten Farbe. In der Nase zeigten sich Aromen, die mich an Holunder, Ingwer,
etwas unreife Grapefruit, weisse Blüten und getrocknetes Heu erinnerten. Daneben zeigte sich eine etwas streng wirkende salzig-mineralische Prägung, die dem Wein gewisse und meines Erachtens eine sehr gelungene Ernsthaftigkeit verlieh. Am Gaumen war der noch junge Wein sehr straff, beeindruckend kantig, leicht gerbstoffig, dicht, komplex und kaum von Frucht getragen. Aromen von Grünem Tee, Ingwer, weissen Blüten, Heu und verhaltene Grapefruit standen im Vordergrund. Seine prägnante Salzigkeit setzte sich am Gaumen natürlich wesentlich greifbarer fort. Mein Gesamteindruck vom eigentlichen Körper war für einen Trebbiano überraschend. Leicht, dabei überzeugend dicht, schlank und belebend frisch mögen es ganz gut treffen. Dabei dürfte die raffinierte und knackige Säure zu einem großen Anteil verantwortlich sein. Ein Trebbiano ohne mollig-breit anmutende Verwaschenheit oder gar alkoholischer Schwere. Im Moment sicherlich noch recht schüchtern. In wenigen Jahren dürfte dieser Trebbiano von Emidio Pepe jedoch viel Vergnügen bereiten.

Als nächstes folgte das jüngste Mitglied in der Weinfamilie von Pepe. Erst seit 2010 wird der Pecorino auf die Flasche gebracht. Verkostet wurde der Pecorino Colli Aprutini IGT 2014. Dieser erschien mir noch etwas farbintensiver als der Trebbiano. Seine Nase war pecorino-typisch füllig, fruchtgetragen und sehr direkt draufgängerisch. Eine gewisse florale Note zeigte er sicherlich ebenfalls. Am Gaumen setzte sich seine entschlossene und füllig, leicht wärmend anmutende, Art fort. Die nicht geizenden Aromen von weißen Früchten, Geißblatt und etwas Heu standen im Vordergrund. Im Vergleich zum Trebbiano war dieser viel offener und jetzt schon von Spaß erfüllt. Der Pecorino kam für mich an die Komplexität und Tiefe des Trebbiano sicherlich nicht ran. Doch für einen Wein aus dieser in Italien immer modischer werdenden Rebsorte, und das auch noch von sehr jungen Reben, zeigte er sich sehr beachtlich. Ich bin gespannt, wie der Wein sein wird, wenn die Reben etwas mehr Lebenserfahrung haben.

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Zum Abschluss gab es dann noch den Montepulciano d’Abruzzo DOC 2001. Dieser spielte nochmal in einer ganz anderen Liga. Seine Farbe erschien am Rand etwas ziegelig, zeigte sich im Kern aber sehr satt und farbintensiv. Seine Nase präsentierte sich zwar ein wenig ländlich- bodenständig aber auch bestechen elegant. Düfte von feinem Rauch, Blut, dunklen Kirschen, einer Spur Eukalyptus, Leder, nicht wenig laubiges Unterholz, etwas durchaus passender Mist und fein integrierende Pilze erfüllten mein Glas mit beeindruckender Komplexität. Das ganze wirkte in sich ruhend, straff, wunderbar schlank, schon reichlich balanciert und sehr kühl. Am Gaumen zeigte seine fast schon gewaltige Struktur und Dichte sein volles Ausmaß. Dies alles ohne fett, alkoholisch oder in irgend einer weise warm zu wirken. Ja, irgendwie wirkte er schon fast trinkig. Auf sehr hohem Niveau versteht sich. Sein Tannin zeigte sich immer noch sehr knackig-hart. Laut Chiara werden die Montepulcianos ab einem Alter von 10 bis 15 Jahren erst so langsam zugänglich. Doch ins Gesamtbild passte diese gewisse Härte schon sehr gut. Die Säure des Montepulciano wirkte super frisch, raffiniert, lebendig und harmonisierend. Die eigentlichen Aromen waren geprägt von nicht ganz schwarzen Kirschen, etwas rote Johannisbeere, Blut, Rauch, vielleicht Holzkohle, Erde, Leder, Brotkruste, einer Spur Lakritze sowie einem Hauch von Orangenschalen. Alle Aromen wirkten sehr klar und stimmig. Ich mache es kurz: ein schlichtweg großartiger und sehr eigenständiger Rotwein, der sich einen Platz in der Mitte der italienischen Spitzenweine wahrlich verdient hat.

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In den Minibus wieder eingestiegen und losgefahren realisierte ich so langsam, dass dieser Weingutsbesuch etwas nicht Alltägliches war. Da bleibt so manches hängen! So war es auch nicht ganz verwunderlich, dass sowohl Kurven als auch Federung auf der Rückfahrt über die gleichen Stöcke und gleichen Steine nicht annähernd so anstrengend und langweilig waren als auf der Hinfahrt.

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~ von budisfoodblog - September 25, 2016.

Eine Antwort to “Montepulciano d’Abruzzo Teil 2: Zu Gast bei Emidio Pepe”

  1. Toller Bericht! Ist es üblich, dass man bei Emidio Pepe nur drei Weine verkostet? Kommt mir eher wenig vor, oder?

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