Bernhard Huber: Bienenberg Chardonnay, GG 2014


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An Jungweinen gefällt mir, dass sie grundsätzlich all die Spannung und Faszination am Thema Wein vereinen, die ich so liebe. Das Potenzial steht ihnen noch bevor, muss erahnt und eingeschätzt werden. Erst mit der Reife entscheidet sich alles und zeigt uns letztendlich wo wir mit unseren Urteilen Recht hatten oder meilenweit daneben lagen. Denn ein gereifter Wein, sofern er von einer gut gelagerten Flasche stammt, muss sich nicht mehr beweisen, er zeigt das finale Resultat ohne die Chance auf Aufstieg oder eben Abwertung. Man darf über ihn abschließend urteilen. Bei Jungweinen ist das ganz anders. Man schaut positiver in die Zukunft. Vermutlich deshalb haben die neusten Jahrgänge auch meist die höchsten Bewertungen.

Als ich letztes Jahr mit Freunden im Januar auf einen Kurztrip ins Burgund und an die Loire bei Julian Huber vorbeischaute, gab es den Malterdinger Bienenberg Chardonnay ins Glas. Erstmals also voraussichtlich als Großes Gewächs, aus dem Jahr 2014. Julian bat damals noch nicht über den Wein zu berichten. Dabei waren wir geflasht. Das war für mich der erste Chardonnay aus Deutschland, bei dem ich richtig neugierig wurde. Ich möchte nicht behaupten, dass ich keine anderen faszinierenden Chardonnays aus Deutschland getrunken habe. Aber bislang war die Rebsorte für mich in Deutschland eine Randnotiz, die allenfalls, wenn sehr gut gemacht, ihre Berechtigung hatte und an etwas heranreichte, was ich aus dem Burgund, Jura oder andernorts absolut schätze.

Denn Julians 2014er Bienenberg vereint so ziemlich all das, was ich an einem Ideal-Chardonnay schätze. Eine gewisse Reduktionsnote, die Stilmittel ist aber nicht aufgesetzt wirkt, eine klare weiße Frucht, die von einer feinen Säure getragen wird und eine Salzigkeit und innere Spannung, die fernab von buttrig-popcornigem Chardonnay anzusiedeln ist. Und  natürlich der präsente aber doch immer feine Holzeinsatz. Ende 2016 habe ich den Wein dann wieder probiert. Bei Meiningers Finest. Und wieder hat er mich gepackt. Persönlich fühlte ich mich darin bestätigt, dass der Bienenberg noch eine Spur über dem Schlossberg liegt. Für mich gesehen. Weil er weniger gelbe Frucht hat und nicht so brachial cremig daherkommt. Freilich reden wir hier von Nuancen. Aber ich sehe diesen Wein, auch wenn er günstiger ist trotzdem als leicht über dem Top-Chardonnay aus dem Hause Huber liegend.

Nun habe ich heute im Januar wieder diesen Wein im Glas. Und nun in aller Ruhe. Eine ganze Flasche über einen Abend und nur mit einer anderen Person geteilt. Der hellgolden, fast blasse Wein packt mich nach wie vor. Eine Mischung aus Boisson-Voidot-Reduktion, der Präzision neuer Etienne Sauzet-Jahrgänge und der Filigranität von Antoine Jobards Meursaults. Er braucht eine halbe Stunde, bis er voll aufblüht. Ich schätzte ihn zunächst als etwas zu kurz ein, doch er benötigte nur Luft um zu singen. Ich hab hier weiße Früchte, Rauchigkeit, Marzipan, auch grüne Ananas, frisch gekochte Kartoffeln und Thymian. Wieder fasziniert er mich. Weil ich so etwas aus Deutschland in der Perfektion noch andernorts nicht entdeckt habe. Auch nicht im Weingut Huber zuvor! Das liegt auch am Jahrgang, der hier die kühlen Noten einspielt. Und ja, trotzdem ist der Wein nicht perfekt. Ich denke, Julian wird ihn die nächsten Jahre perfektionieren. Wer jetzt schon denkt, dass hier ist das Ende der Fahnenstange, hat es nicht versucht. Aber es ist eine neue, spannende Richtung. Und ich bin sicher, in 10 und mehr Jahren wird man auch noch über diesen Wein aus 2014 und den Bienenberg Chardonnay allgemein reden. Prädikat: To watch out for.

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~ von budisfoodblog - Januar 25, 2017.

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