Das wars – vielen Dank!


DSC_0149_4Liebe Leserinnen uns Leser,

heute erfuhr ich, dass Harald Wohlfahrt, nach nun über 40 Jahren und 25 Jahren Dreisterne-Küche, die Schwarzwaldstube im Juni verlassen wird. Er übergibt damit das Zepter an seinen langjährigen Sous-Chef, Torsten Michel. Damit schließt sich ein Kapitel. Auch für mich, denn es war die Schwarzwaldstube, die ich erstmals im Januar 2010 besuchte.

Damals führte Ansgar Fischer noch die Schwarzwaldstube. Es war ein ziemlich verschneiter Januar, wie er meist in Tonbach in den Wintermonaten ausfällt. Meterhoher Schnee. Ich leistete meinen Zivildienst ab und musste mir diesen Ausflug über viele Monate ersparen. Eigentlich war es völlig verrückt in diesem Alter ein derartiges Restaurant aufzusuchen. Aber mit großer Begeisterung hatte ich von der Küche gelesen. Es waren meine ersten drei Sterne und auch der Auslöser dieses Blogs. Ich war so begeistert vom Restauranterlebnis, dass ich dieses irgendwie konservieren wollte. Ich wusste noch nicht, was ich mit dem eigentlich nur für mich geschriebenen Artikel lostreten würde.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich über viele Monate auf den Tisch bei Wohlfahrt freute. Die Reservierung und Vorfreude auf den Termin gab mir ein ständiges Glücksgefühl, sobald ich im Alltag auch nur daran dachte. Auf den ersten Besuch folgten über die 7 Jahre noch fünf weitere Besuche und etliche in den Nebenschauplätzen der Traube Tonbach, der Köhlerstube und Bauernstube. Über diese Jahre war die Schwarzwaldstube so etwas wie mein Anker und Eichamt, nachdem ich alles ausrichtete. Maitre Ansgar Fischer empfing uns damals derart herzlich und löst alle Anspannung bereits mit der Ankunft auf. Wir hatten einen eimaligen Abend. Ich las damals von der Zuckerperle Schwarzwälder Art, die im Gault Millau hervorgehoben wurde. Sie war nicht auf der Karte. Ich erkundigte mich nach dem Dessert und am Ende des Menüs stand dann die bordeauxrot schimmernde Kirschkugel auf dem Tisch. Ich habe damals einige Tage gebraucht, bis ich nicht mehr an den Besuch denken musste. So sehr hat mich das Restaurant in all seiner Perfektion, auf dem Teller und am Tisch überzeugt. Genau dieses Erlebnis, diese unbeschreibliche Vorfreude auf einen Besuch, haben mich immer wieder angetrieben. Und dieses Gefühl suchte ich auch an anderen Orten, bis ich den Wein für mich entdeckte.

Und über Zufälle kreuzte das Restaurant immer wieder meine Wege. Ich lernte Freunde während dem Studium kennen, die dort arbeiteten und erkundete mit Mitarbeitern aus dem Service das Elsass, die Champagne und andere Weinregionen. Außerdem habe ich über die Schwarzwaldstube mehrfach berichtet. Die Besuche lösten in mir eine Neugier aus, die ich seitdem nicht verloren habe. Ja, ich habe sogar mal versucht, meine berufliche Laufbahn in der Traube zu beginnen, bis ich letztendlich herausfand, dass ich zwar definitiv in der Lebensmittelbranche Fuß fassen wollte, nicht jedoch in der Gastronomie, sondern im Journalismus und später dann im Handel.

Über dieses Blog, welches ich aus purer Neugier betrieb, entwickelten sich viele Kontakte. Ich lernte die interessantesten Persönlichkeiten kennen, Winzer, Gastronomen, Gastrokritiker, Händler. Menschen, die eine unfassbare Neugier besaßen und auch den nötigen Antrieb hatten. Und plötzlich stand ich mit einem Fuß im Journalismus, konnte Artikel und Rezensionen auch für Printmedien beisteuern. Aus der Passion wurde die Profession.

Und so habe ich einige Restaurants und Winzer besuchen können, habe festgestellt, dass mein großes Thema der Wein sein wird. Über das Weinbetriebswirtschaftsstudium hinaus habe ich immer mit viel Herzblut und Passion Artikel verfasst. Heute bin ich überrascht darüber, wie viel ich teilweise in den intensivsten Monaten beisteuern konnte. Das Berichten wurde fast ein wenig zur Last, denn ich habe mir hohe Maßstäbe gesetzt, wollte nichts was mich persönlich begeisterte auch unkommentiert lassen. Es fühlte sich immer so an, als würde ich jemanden betrügen, meine Leser. Heute schaffe ich das nicht mehr. Denn ich habe einen anderen Schwerpunkt, der mir meine volle Passion und Aufmerksamkeit abverlangt. Dabei mache ich im Grunde genommen nichts anders als früher.

Wie einige wissen, arbeite ich bereits im Weinfachhandel und bin dort im Einkauf tätig. Und viele Kontakte, die ich seit Anbeginn des Blogs noch als Student oder sogar davor kennenlernen durfte, pflege ich auch noch heute. Mit den meisten habe ich witzigerweise auch wieder beruflich zu tun, denn die Genusswelt ist dann doch eine kleine, mit vielen Verknüpfungen. So musste ich auch erst über die Schwarzwaldstube lernen, welch wichtige Rolle doch der Wein fürs Essen spielt. Beruflich gehe ich mit selbiger Leidenschaft weiter, nur können jetzt nicht mehr alle davon lesen. Das Kapitel Blog ist beendet. Ich dachte heute, dass genau jene 7 Jahre, die ich dieses Blog betrieb nun auch als Kapitel geschlossen werden können. Mit der Schwarzwaldstube. Dort wo bei mir alles began und sich zum Besten entwickelte.

Es hat mir immer enorm viel Freude gemacht! Ich weiß, dass man sich andernorts wieder treffen wird. Und ich freue mich darauf!

Markus Budai

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~ von budisfoodblog - Mai 16, 2017.

3 Antworten to “Das wars – vielen Dank!”

  1. Sieben Jahre… auch eine lange Zeit. Châpeau! Ein passender Abschluss. Mach’s gut und vielen Dank für den Fisch. Oder, anders gesagt vielen Dank für viele schöne Artikel. Wir sehen uns eh an anderer Stelle wieder.

    • Ja! Und genau sowas freut mich so sehr!
      Und das hier ist mir heute ganz spontan gekommen, als ich beim Abendessen das Bild hängen gesehen hab und darüber nachdachte, was mir das eigentlich bedeutet.

  2. Es hat einen Riesen-Spass gemacht, hier über die letzten sieben Jahre immer wieder zu lesen, war interessant und informativ! Danke!

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